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Gedenktafel für ermordeten Auschwitz-Häftling Ernest Smilowsi enthüllt
25. November 2025
Mitarbeiter der Landeskirche entschlüsselt Identität
FRAUREUTH – Auf dem Friedhof im Ortsteil Ruppertsgrün (Ev.-Luth. Kirchgemeinde Beiersdorf-Ruppertsgrün) wurde am Buß- und Bettag (19. November 2025) nach 80 Jahren einem jüdischen Häftling, der auf der Flucht von Nazis (Volkssturm) erschossen und anonym beerdigt worden ist, sein Name zurückgegeben. Eine Gedenktafel für Ernest Smilowski wurde an diesem Tag enthüllt - weil sein Freund und Mithäftling Raphael Esrail, nie aufgehört hat, nach ihm zu suchen.
Smilowski wurde am 15. Mai 1903 in Nikolayev (Ukraine) geboren. Auf der Suche nach einem besseren Leben zog er später nach Frankreich. Im Februar 1944 wurde er von Drancy nach Auschwitz deportiert. Dort traf er Raphael Esrail, der wie er Jude war und aus Frankreich kam. Sie wurden Freunde. Smilowski war 41 Jahre als ihn die SS beim Fluchtversuch bei Ruppertsgrün erschoss. Der Leichnam des Auschwitz-Häftlings wurde am 27. Januar 1945 auf dem örtlichen Friedhof mit seiner Metallnummer 173353 begraben.
Jahrzehntelang suchte Raphael Esrail, der am 1. Mai 1945 von der US-Armee bei Tutzing befreit wurde. nach dem Grab seines Freundes. 2006 besuchte er sogar die Region und wurde von der damaligen Oberbürgermeisterin Pia Findeiß empfangen, leider ohne Ergebnis. Erst als der pensionierte Oberkirchenrat Andreas Meister aus Steinpleis dern Kontakt zu Johannes Bärthel herstellte, tat sich etwas. Johannes Bärthel, heute Mitarbeiter im Regionalkirchenmt Chemnitz-Leipzig, schrieb in der 9. Klasse eine Facharbeit in Geschichte, über die Vernichtung der Juden in Europa. Seither hat er bei diversen Datenbanken und Archiven eine direkte Ansprechperson oder erweiterten Zugang, was der Oberkirchenrat wusste. Nach einer kurzen und intensiven Nachforschung konnte Bärthel zur Häftlingsnummer 173353 eine Übereinstimmung finden. Dies teilte er im Juni 2021 dem Internationalen Auschwitz Komitee (IAK) mit. Einige Wochen später, rief ihn der Geschäftsführende Vizepräsident Christoph Heubner zurück. So erfuhr Bärthel, dass die Suchanfrage beim IAK zur Häftlingsnummer bereits seit 1945 von seinen Freund Raphael Esrail vorliegt. Heubner informierte Raphael Esrail persönlich, dass sein Freund erschossen und auf dem Friedhof Ruppertsgrün beerdigt worden ist.
Später ergab sich aus dieser Korrespondenz die Erichtung der Gedenkplatte, die das IAK gemeinsam mit Auszubildenden von Volkswagen in Deutschland und Polen umsetzte. Christoph Heubner veröffentlichte außerdem das Buch »Als wir die Maikäfer waren«, in denen Informationen zu Häftlingen verarbeitet sind, die Johannes Bärthel recherchierte.