Mitteilungen

Russlandreise des Landesbischofs 2018

26. Juni – 1. Juli 2018

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Derzeit hält sich Landesbischof Dr. Carsten Rentzing in Russland auf. Am Dienstag, den 26. Juni gelandet, wird er eine Woche mit einer siebenköpfigen Delegation aus Sachsen die Evangelisch Lutherische Kirche Europäisches Russland (ELKER) und deren Vertreter an verschiedenen Orten besuchen. Die sächsische Landeskirche hat seit 2014 offizielle Partnerschaftsbeziehungen zu dieser östlichen Diasporakirche, die sich auf einem riesigen Gebiet bis zum Ural erstreckt.

Nach der Landung auf dem Flughafen Pulkowo südlich von St. Petersburg am Dienstag, 26. Juni, nahm die Gruppe ihr Quartier im Gästehaus der armenischen Kirche am Newski-Prospekt, einer 4,5 Kilometer langen Straße im historischen Zentrum der Millionenstadt an der Newa.

Am frühen Abend besuchte die Delegation die Ev.-Luth. Petrikirche unter Führung des dortigen Propstes Michael Schwarzkopf. Das im Stil einer klassizistischen Basilika in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaute Gotteshaus war die bedeutendste lutherische Kirche im zaristischen Russland. Der Propst berichtete zudem von den großen lutherischen Gemeinden vor der Oktoberrevolution.

1938 sei die Kirche unter Stalin geschlossen und die beiden Pfarrer erschossen worden. Er schilderte auch das unsägliche Leid der Russlanddeutschen, die 1941 deportiert wurden. Von 1965 bis 1993 (1) war im Kirchenschiff ein Schwimmbad, in dem sowjetische Sportler das Wasserspringen trainierten.

Am späteren Abend konnte die Reisegruppe noch die „Weißen Nächte“ von St. Petersburg am Newa-Fluss genießen.


Am Mittwoch wurden Gespräche in der lutherischen Kirchenkanzlei geführt. Die Kirchenkanzlei ist Sitz des Erzbischofs Dietrich Brauer. Die Leiterin der Kanzlei, Marina Chudenko, erläuterte die Strukturen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland (ELKRAS), die räumlich über den Bereich der ELKER hinausgeht. Somit ist Dietrich Brauer Bischof des europäischen Teils und Erzbischof im Bereich der ELKRAS. In der Kanzlei wurden auch Gespräche mit dem Direktor des Theologischen Seminars Anton Tichomirov geführt, der wiederum über die Ausbildung der Theologen berichtete. 

Nach einer Führung durch die berühmte Eremitage, die Propst Schwarzkopf begleitete, stand ein Besuch bei Edith Müthel auf dem Programm. Die 98-jährige Russlanddeutsche ist 1919 im damaligen Petrograd als Tochter des Pastors Emil Pfeiffer geboren und wuchs in deutschen Siedlungen an der Wolga auf. 1941 deportiert machten sie und ihre Familie alle Schrecknisse durch, die die meisten der zweieinhalb Millionen Russlanddeutschen durchleben mussten. Ihre Erinnerungen schrieb sie in dem Buch „An Gottes Hand. Eine deutsch-russische Lebensgeschichte“ auf, das vor einigen Jahren mit Unterstützung des Gustav-Adolf-Werkes herausgegeben wurde.


Nach dem Abflug aus St. Petersburg am Vorabend, einem Zwischenaufenthalt in Moskau, ging es am frühen Morgen weiter in das 1.200 Kilometer entfernte Orenburg am Ural. Am Donnerstagvormittag begrüßte Pfarrerin Inessa Thierbach die Besucher aus Sachsen im Gemeindehaus. Anschließend ging es ins Diakonische Zentrum „Berührung“, wo die Leiterin Natalia Kaliman die Gruppe durch die Räume führte. Das Gemeindehaus  wurde auch mit finanzieller Hilfe durch die sächsische Landeskirche errichtet.

An diesem Tag ergab sich für Landesbischof Dr. Rentzing die Möglichkeit, mit Metropolit Veniamin von der Russ.-orthodoxen Kirche zu sprechen, bevor sich ein Stadtrundgang in Orenburg anschloss. Während dieses Rundgangs ging der Blick von der Brücke über den Ural in Richtung Asien.
Die Propstei Orenburg hat seit 1998 partnerschaftliche Beziehungen zum Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz. Als Vertreter der Partnerregion ist Superintendent i.R. Wolfgang Müller mitgefahren, der auch Geschäftsführer der Solidarkasse des Sächsischen Pfarrer-Vereins ist. Der Verein unterstützt Pfarrerinnen und Pfarrer in Mittel- und Osteuropa.

ERF Plus Medienbeitrag vom 3. Juli 2018: "Ein Türöffner für evangelische Christen in Russland"

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Mit dem Kleinbus ging es am Freitag  von Orenburg nach Norden über die Stadt Sterlitamak in das 370 Kilometer entfernte Ufa. Hier in der Republik Baschkortostan (Baschkirien) befindet sich die dritte bisher besuchte Propstei. Empfangen wurde die Delegation aus Sachsen von Propst Sergej Holzwert sowie von Gemeindegliedern der dortigen evangelisch-lutherischen Gemeinde. Propst Holzwert berichtete von der langjährigen Restaurierung der  Kirche und des Pfarrhauses sowie dem Vorhaben, ab 2014 ein Haus für die Werke der Barmherzigkeit zu bauen. Das zweistöckige Diakoniezentrum sei innerhalb von zwei Jahren fertig gestellt worden, sagte der Propst. Die Finanzierung geschah vorwiegend aus dem Wohltätigkeitsfonds „Ural“, aber auch kirchliche Partner in Deutschland wie der Martin-Luther-Bund und Gustav-Adolf-Werk unterstützten das Projekt.

Ein besonderer Grund für den Besuch aus Sachsen ergab sich: Zwichen der Propstei Ufa und dem Kirchenbezirk Auerbach im Vogtland soll sich eine Partnerschaft entwickeln. Mit gegenseitigen Besuchen wird dies vertieft werden. Aus diesem Grund gehört die Auerbacher Pfarrerin Dr. Nikola Schmutzler zur Delegation. Wenn es zur Fusion der Kirchenbezirke Auerbach und Plauen kommt, werden diese Beziehungen vom neuen Kirchenbezirk fortgeführt.


Früh am Samstagmorgen ging es zum Flughafen und dann mit dem Flugzeug direct von Ufa nach Moskau zurück. Abflug und Ankunftszeit war wegen der Zeitverschiebung fast identisch. Numerisch brauchte man nur fünf Minuten.
In der Zentralen Propstei Moskau angekommen, stand ein Besuch im Kirchenamt der ELKER auf dem Programm. Was sich noch zwischen der Propstei Ufa und Auerbach entwickeln muss, wurde bereits hier zwischen der Moskauer Propstei und dem Kirchenbezirk Dresden Mitte seit einigen Jahren Realität.

Es fanden bereits mehrere Begegnungen statt, so Besuche von der Moskauer Pröpstin Elena Bondarenko zu Tagungen der Landessynode, zu Begegnungen im Kirchenbezirk Dresden Mitte sowie von gegenseitigen Besuchen von Konfirmandengruppen. Pröpstin Bondarenko begleitete auch die bisherigen Stationen der Besuchergruppe und organisierte das Programm in Moskau an diesem Wochenende. Als Vertreterin des Dresdner Kirchenbezirks ist Pfarrerin Eva Gorbatschow aus der Johanniskirchgemeinde mit auf Besuchsreise.


Neben diesen Gesprächen zwischen den Partnern war auch ein Besuch in der Residenz des deutschen Botschafters möglich geworden. So empfing Botschafter Rüdiger von Fritsch den Landesbischof im Garten seiner Residenz.
Ein weiteres Gespräch ergab sich am frühen Sonntagmorgen mit dem Metropoliten von Wolokolamsk, Hilarion Alfejew, in Moskau. Er ist zugleich Leiter des Außenamtes der Russisch-orthodoxen Kirche und damit auch maßgeblich für die Ökumene zuständig. Der Metropolit lud die Delegation, darunter auch Erzbischof Brauer  anschließend zur Teilnahme an der göttlichen Liturgie ein. Von diesem Gottesdienst ging es dann weiter zur Ev.-Luth. Peter-und-Paul-Kathedrale.


Am Sonntag wurde zur Mittagszeit in die Ev.-Luth. St.-Peter-Pauls-Kathedrale zum Gottesdienst eingeladen. In dem von Erzbischof Dietrich Brauer liturgisch geleiteten Gottesdienst predigte Landesbischof Dr. Rentzing. Nach dem Gottesdienst schloss sich eine Gemeindebegegnung an.

Bei einer Stadtbesichtigung am Nachmittag folgten Gastgeber und Gäste auf einem der vielen Publik Viewing Plätzen dem WM-Spiel Russland gegen Spanien. Von der Stimmung in der Stadt waren alle sehr begeistert und emotional mitgenommen.

Die Rückreise nach Deutschland begann am Montagvormittag.

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