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Im Halbdunkel spätgotischer Räume


19. Februar 2021

Neugestaltung des Dom-Museums Meißen abgeschlossen

MEISSEN - Die neugestalteten Räume des Meißner Dommuseums wurden am 5. Februar von Daniel Sommer vom Dresdner Ausstellungsbüro Whitebox an das Hochstift Meißen übergeben. Vorerst ist aber der Besuch des Museums pandemiebedingt nicht möglich. Sobald der Dom nach dem Ende der Museumsschließungen wieder zugänglich sein wird, soll die feierliche Eröffnung nachgeholt werden.

Der Kurator der neuen Ausstellung, Dr. Matthias Donath vom Zentrum für Kultur//Geschichte Niederjahna, koordinierte als ehrenamtlicher Vorsitzender des Dombau-Vereins Meißen das Ausstellungsteam. Er war im Dombauverein darüber hinaus federführend an der Einwerbung der Fördermittel beteiligt, ohne die die Neugestaltung nicht möglich gewesen wäre.

In nicht unerheblicher Höhe beteiligten sich finanziell die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Sparkasse Meißen, die Sächsische Landesstelle für Museumswesen, das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Kulturraum Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und nicht zuletzt der Dombau-Verein Meißen.

Hintergründe der Neugestaltung

Das Dommuseum wurden 1999 in den spätgotischen Räumen, die sich um den Hohen Chor des Meißner Doms herumlegen, eröffnet. Das Konzept, die Kirchengeschichte Sachsens zu erzählen, stammte vom langjährigen Dechanten Karlheinz Blaschke (1927-2020). Nach über 20 Jahren war es notwendig, die Ausstellung zu modernisieren und zu erneuern.

Die Neugestaltung war von dem Grundsatz geleitet, mehr auf die Geschichte des Meißner Doms einzugehen und historische Vorgänge durch neue Medien anschaulich nahezubringen. Der erste Teil der Neugestaltung konnte bereits 2018 abgeschlossen werden. Dabei entstand ein Animationsfilm, der ungebräuchliche Begriffe wie „Hochstift“ oder „Domkapitel“ in Comicform erzählt.

Inhalte der Neugestaltung

Das Ergebnis der Neugestaltung sind vier Räume, die in ihrer mehr als 500-jährigen Gestalt "atmen" können. Die musealen Einbauten nehmen sich stark zurück, sind aber dennoch sichtbar. Denn es sind Elemente, die aus sich selbst heraus leuchten. Auch im Halbdunkel sind Schriften gut lesbar. Alle Beschriftungen erfolgen in deutscher und englischer Sprache. Indem die Museumselemente auf dunkelblauen, organisch geformten Metallplatten ruhen, war es möglich, Verkabelungen und Beleuchtungen ohne Eingriff in die historische Substanz zu ermöglichen.

Besonderheiten des Dom-Museums und zwei „neue“ Cranachs

Zu den Stärken des Museums gehören die originalen Räume wie die Sakristei des Meißner Doms und die sogenannte Kapitelstube sowie die hochkarätigen Exponate. Im Museumsbereich des Doms hängen fünf Werke von Lucas Cranach dem Älteren und Lucas Cranach dem Jüngeren. In Dom und Schatzkammer sind weitere fünf Werke ausgestellt. Diese Cranach-Dichte im Meißner Dom ist außerordentlich. In keiner anderen Kirche in Deutschland befinden sich mehr Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, dem Jüngeren und aus der Cranach-Werkstatt.

Die Gemäldetafeln "Schmerzensmann" und "Schmerzensmutter" aus der Werkstatt von Lucas Cranach des Älteren (um 1520) sind erstmals öffentlich zugänglich. Sie stammen aus einer Privatsammlung und kamen über die Kirche in Constappel in den Meißner Dom. Hinzugefügt wurden sparsame Kommentierungen und Erläuterungen, etwa über die Gottesdienste im Meißner Dom vor und nach der Reformation.

Interaktive Elemente und neue Medien

In der Ausstellung wurden neue und ungewöhnliche Medienformate eingesetzt. So wird die Geschichte des Meißner Doms nach der Reformation wird auf Tablets erzählt, durch die man navigieren kann. Einen sinnlichen Eindruck Meißens im Zeitalter der Romantik geben zwei Stereoskopbetrachter, so der Fachbegriff für "Guckis". Blickt man in diese hinein, sieht man Grafiken, Stiche und Architekturerfindungen aus dem 19. Jahrhundert in einer bestechenden 3D-Optik.

Einzelne bewährte Elemente wurden aus der vorhergehenden Gestaltung übernommen. Dazu gehört die Vitrine mit den Gewändern der Domherren. Es handelt sich um eine "lebendige Sakristei", denn diese Mäntel werden tatsächlich zu Gottesdiensten als geistliche Kleidung angelegt. Blickfang in der Kapitelstube ist das beeindruckende Modell der Westtürme des Meißner Doms aus dem Jahr 1902.

Dank an Spender und Fördermittelgeber

Dompropst Superintendent i.R. Andreas Stempel und Dompfarrer Superintendent Andreas Beuchel freuen sich über die neugestalteten Räume und dankten im Namen des Hochstifts Meißen allen Fördermittelgebern und Spendern sowie Dr. Matthias Donath für seine Arbeit und das großartige Engagement. Es bleibt die Hoffnung, dass die Museen bald wieder ihre Türen für Besucher öffnen können und die Vorfreude auf eine Eröffnungsfeier mit allen Beteiligten.

Dompropst Superintendent i.R. Andreas Stempel, Daniel Sommer (whitebox GbR), Dr. Matthias Donath. Architekt Dr. Knut Hauswald, Dompfarrer Superintendent Andreas Beuchel (v.l.n.r.)
Dom-Museum - Neugestaltete Kapitelstube mit Dom-Modell
Dom-Museum – Sakristei, im Hintergrund „Schmerzensmann“ und „Schmerzensmutter“ aus der Werkstatt von Lucas Cranach des Älteren

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