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Hungerhilfe Rumänien während der Corona-Krise


10. Mai 2020

Auch „necrestini“ (Nichtchristen) erreichte die Überlebenshilfe der Roma-Kirche

DRESDEN | SACELE – Vor genau einem Jahr besuchte eine Gästegruppe der sächsischen Landeskirche unter Leitung des damaligen Landesbischofs das rumänische Siebenbürgen. Auf dem Reiseprogramm stand auch ein Treffen mit Vertretern der Volkskirche der Roma in Sacele bei Kronstadt (Brasov). Hintergrund des Besuchs sind Kontakte des Hilfsverein Projekt Leben e.V. in Lauterbach bei Stolpen zur Roma-Kirche sowie deren Unterstützung durch die sächsische Landeskirche und ihrer Diakonie im Rahmen von ‚Hoffnung für Osteuropa‘.

Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie in Rumänien Ende April 2020 nach zahlreichen Militärverordnungen mit landesweiten strengen Ausgangssperren sind eine Million Menschen arbeitslos geworden. Gerade durch die Dunkelziffer bei Straßenfegern, Schrottsammlern, Reinigungskräften und Tagelöhnern, die nicht versichert sind, dürfte die Zahl aber höher liegen. Das betrifft insbesondere viele Roma. Die Gemeinde der Roma in Sacele und den leitenden Pastor Vasile Ghica erreichten zuvor Meldungen aus ärmlichen Roma-Siedlungen im Umland. Der Pastor teilte in Sachsen telefonisch mit, dass wahrscheinlich mehr Menschen an Hunger sterben würden als am Corona-Virus.

In den Gesprächen mit dem Hilfsverein Projekt Leben e.V. sei versichert worden, dass die die dortige Roma-Gemeinde sich bemühe, die Ärmsten zu versorgen, wo es gehe, aber die Mittel seien begrenzt. Der Verein und die sächsische Landeskirche halfen mit Geldspenden. Zweimal pro Woche wurden die bestellten Lebensmittel von einer Sammelstelle in Sacele abgeholt und für die Verteilung verpackt. 400 Säcke seien in täglichen Transporten gefahren und von ehrenamtlichen Mitarbeitern verteilt worden, schreibt der Geschäftsführer des Vereins, Matthias Netwall. Das trug zur Stabilisierung des sozialen Friedens bei, was das Ansehen der Mitarbeiter bei den Behörden, aber auch bei den Menschen vor Ort steigerte.

„Warum gebt ihr uns etwas, obwohl wir keine Christen sind“, hieß es bei Roma in der Siedlung Herculean, die nicht zur dortigen Volkskirche gehören. Der Zusammenhalt zwischen den christlichen Gemeindegliedern sei wiederum gewachsen. „Sie erfahren, dass Gott ihnen in dieser Krisenzeit besonders nahe ist. Und Pastor Vasile Ghica sagte kürzlich am Telefon: „Frații din biserici se roagă pentru Biserica Evanghelică din Saxonia în fiecare săptămână.” (Die Geschwister in den Gemeinden beten jede Woche für die evangelische Kirche in Sachsen.), berichtet Geschäftsführer Netwall. „Das sei ihre Form der Dankbarkeit für die erfahrene Hilfe.“

Der Bericht mit einer genauen Auflistung der Einkäufe und Ausgaben vom 17.-30. April erreichten das Landeskirchenamt an diesem Wochenende. Von den 5.000 Euro aus dem landeskirchlichen Katastrophenfonds sowie dem doppelt so hohen Anteil an Privatspenden (insgesamt 16.340,72 Euro) wurden Lebensmittel wie Mehl, Öl, Maismehl, Reis, Pasta, Eier, Zucker und Kartoffeln gekauft und verteilt.
Die Kontakte des Vereins zur jungen Roma-Kirche und zu den Menschen in Rumänien bestehen bereits seit über 20 Jahren. Die Landeskirche, aber auch das Gustav-Adolf-Werk in Sachsen unterstützten in Vergangenheit mehrfach Bildungsprojekte für Kinder und Familien in Rumänien.

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