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Historische Pfarrbibliothek gerettet


24. Mai 2019

Pfarrbibliothek zeigt beispielhaft den Wert dieser Traditionsbibliotheken

DRESDEN – Die aus dem 18. Jahrhundert stammende Pfarrbibliothek aus dem vogtländischen Syrau wurde mit Hilfe eines Sonderprogramms der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gereinigt und restauriert. Die Bibliothek des Pfarrers Johann Sigismund Gmelin (1726-1797) befindet sich seit vielen Jahren in der Bibliothek des Ev.-Luth. Landeskirchenamtes Sachsens. Im Laufe der Jahre haben die Bände durch ihre Aufbewahrung an unterschiedlichen Orten sehr gelitten. Schwerwiegende Schäden lagen sowohl an den Einbänden wie auch an den Buchblöcken vor. Schon lange wurde deshalb nach einer Möglichkeit der Restaurierung gesucht, um die Sammlung des Pfarrers zu erhalten und der Wissenschaft zugänglich zu machen.

Die 136 Bände umfassende Pfarrbibliothek ist ein Beispiel für die Auseinandersetzung eines evangelischen Pfarrers mit den theologischen Strömungen seiner Zeit. Dies begründete denn auch die Förderzusage der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts. Aus Bund-Länder-Mitteln wurden die Restaurierungsmaßnahmen als eines von 18 Modellprojekten 2018 mit 9.000 Euro gefördert. Zudem unterstützte die Landesstelle für Bestandserhaltung in Sachsen das Vorhaben mit 3.000 Euro. Die Realisierung erfolgte in der Firma Buchrestaurierung Leipzig und in der Buchbinderei und Restaurierungswerkstatt von Kornelia Lindner in Radebeul. Die Arbeiten in beiden Firmen umfassten nicht nur die Trockenreinigung und Restaurierung der Bände. Es wurden auch Verpackungen angefertigt, die jeden einzelnen Band künftig vor Umwelteinflüssen und mechanischer Beanspruchung schützen.

Der 1726 in Elsterberg geborene Johann Sigismund Gmelin besuchte in Zwickau und Greiz die Schule, bevor er zum Theologiestudium nach Wittenberg ging. Wahrscheinlich gleich zu Beginn seines Studiums verfasste er drei kleine Bände mit dem Titel „Poetische Behandlungen über verschiedene Materien“, eine Weltbetrachtung mit geistlichen Bezügen, die er außerdem mit Zeichnungen versah. Die sich darin zeigenden Ambitionen des jungen Gmelin decken sich mit der Erwähnung seiner „humanistischen und philosophischen Studien“ in historischen Unterlagen zur Kirchgemeinde Syrau. Die drei Bücher sind auch Bestandteil der Bibliothek.

Mit 26 Jahren trat Gmelin im Sommer 1752 die Pfarrstelle in Syrau an, die er 36 Jahre lang verwaltete. In dieser Zeit beschäftigte er sich nicht nur mit theologischen, sondern auch mit historischen Themen, wie der Buchbestand belegt. 1788 begann Benjamin Traugott Alberti aus Hohenleuben den Dienst als Hilfsgeistlicher in Syrau und wurde dann Gmelins Nachfolger. Die Bibliothek ging zu Gmelins Tod 1797 in den Besitz der Kirchgemeinde über. Eng verbunden mit der Syrauer Kirche war das Patronatsgeschlecht derer von Watzdorf, Besitzer des Rittergutes im benachbarten Kauschwitz.

1973 kam die Sammlung auf Wunsch des Kirchenvorstandes der Kirchgemeinde Syrau in die Bibliothek des Landeskirchenamtes. Gmelins Pfarrbibliothek gibt ein Beispiel für den historischen Wert von Traditionsbibliotheken in sächsischen Kirchgemeinden und die Wichtigkeit ihrer Erhaltung.

Eine Buchreihe im Regal nach der Restaurierung
Ein Buchband vor der Restaurierung
Gmelins Zeichnungen in einem seiner Bücher

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