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Gedenkgottesdienst für Hansjörg Weigel


26. August 2020

Friedensgebete und Themenabende sollen fortgesetzt werden

KÖNIGSWALDE – Eine Trauerfeier konnte vor drei Monaten nur im engsten Kreis in Königswalde bei Zwickau stattfinden. Bestattet wurde der 77-jährige Hansjörg Weigel, der über Jahrzehnte untrennbar mit dem Christlichen Friedensseminar Königswalde verbunden war. Als er am 29. April einer schweren Erkrankung erlag, endete ein fast 50-jähriges Engagement für die „Pflanzschule des Friedens“, dass bis heute mit dem Martin-Luther-King-Zentrum Werdau zusammenarbeitet.

Ein Gedenkgottesdienst am Sonnabend, 29. August, an der Jacobikirche in Königswalde, dem Gründungsort des Christlichen Friedensseminars im Jahre 1973, soll das Wirken des früheren Bürgerrechtlers würdigen. Der Freiluftgottesdienst um 14:30 Uhr wird den Weggefährten von Hansjörg Weigel Gelegenheit zum Abschied geben sowie zur Erinnerung an zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen im Kontext von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Landesbischof Tobias Bilz sei im Gedenken an Hansjörg Weigel besonders beeindruckt, wie er jahrzehntelang mit großer Energie und Ausdauer seinem inneren Ruf folgte. „Davon hat er sich weder durch Widerstand noch durch Gleichgültigkeit abbringen lassen. Das hat seine tiefe prophetische Gesinnung ausgezeichnet“, so Bilz.
Als Vertreter der Landeskirche wird Oberkirchenrat Christoph Seele, Beauftragter der Ev. Kirchen im Freistaat, an der Gedenkveranstaltung teilnehmen.

Für den Vorbereitungskreis des Gedenkens sei ohne Hansjörg Weigel das Friedensseminar „nicht mehr das gleiche“, heißt es in einer vorab verbreiteten Erklärung. Deshalb werde das Friedensseminar nicht mehr stattfinden können. Mit großer Dankbarkeit denke man an die Begegnungen in den Seminaren zurück. So wollen die Vorbereitungskreismitglieder, die aus Kräfte- und Altersgründen die Arbeit in der gewohnten Form nicht fortführen können, dennoch an den Friedensgebeten in Königswalde festhalten und Themenabende gemeinsam mit dem Evangelischen Gemeindezentrum in Werdau durchführen.

In den letzten Jahren stand das gemeinsame Nachdenken über die Gefährdung dieser Welt und die Handlungsmöglichkeiten auf gesellschaftlicher, kirchlich-institutioneller und auf privater Ebene im Blickfeld. Weitere Themenschwerpunkte in der schulpädagogischen Arbeit sind Bildungsangebote zur Erinnerungskultur an  Martin Luther King und dessen gewaltfreier Kampf, die Friedliche Revolution in der DDR und die politisch-gesellschaftliche Einmischung heute sowie die Wege der Friedlichen Revolution an konkreten Erinnerungsorten.

Hansjörg Weigel verweigerte 1963 in der DDR seinen Wehrdienst, leistete später den Dienst ohne Waffe als Bausoldat ab. Die Themen Wehrdienstverweigerung und Friedensdienst begleiteten ihn ein Leben lang. 1973 gehörte er zu den maßgeblichen Gründern des Christlichen Friedensseminars in Königswalde, das seitdem jährlich zweimal stattfand. Königswalde gehört zu den ersten Friedensgruppen in der damaligen DDR. 1980 wurde er von der Stasi verhaftet und zu eineinhalb Jahren Freiheitsentzug wegen “staatlicher Hetze” verurteilt und nach zweieinhalb Monaten aufgrund des Drängens von Kirchenleitungen und westlicher Medien wieder freigelassen.  
Nach der  Wende veränderten sich die Themen. “Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung” standen aber weiterhin im Vordergrund. Hansjörg Weigel wurde Stadtrat in Werdau (zuerst für einen unabhängigen Bürgerrat, seit 1999 für die SPD) und war Mitglied der sächsischen Landessynode. 1999 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

www.friedensseminar.de

Hansjörg Weigel

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