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Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus


27. Januar 2020

Treffen mit Vertretern des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden 

DRESDEN – Mit zahlreichen Veranstaltungen gedenken Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen in diesen Tagen der Opfer des Nationalsozialismus. Insbesondere der 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 ist Anlass, in den darauffolgenden Tagen an das unsägliche Verbrechen an den Juden zu erinnern, zu mahnen und gegen antisemitische Entwicklungen die Stimme zu erheben. 

So kommt gerade in diesem Jahr der Namenverlesung der Opfer des NS-Regimes in Dresden am 27. Januar ab 12:00 Uhr an der Gedenktafel der Kreuzkirche eine besondere Bedeutung zu. Die 1.953 Namen der ermordeten oder verschollenen Dresdner Jüdinnen und Juden sind dem im Jahr 2006 erschienenen »Buch der Erinnerung« entnommen. Von den über 7 000 durch die Rassegesetze verfolgten Juden in Dresden und den umliegenden Orten sind im »Buch der Erinnerung« diejenigen genannt, von denen man weiß, dass sie in einem Konzentrationslager ums Leben kamen, sich das Leben nahmen oder nach der Deportation als verschollen gelten. Auch an Sinti und Roma aus Dresden und dem Umland und an die Kinder von Zwangsarbeiterinnen wird erinnert.    

In Chemnitz wird am Holocaustgedenktag und der Ausstellungseröffnung „1948“ um 18:00 Uhr in der St. Jakobi der Historiker Dr. Oren Osterer einen Vortrag halten. Gestaltet wird die Veranstaltung durch den Chor der Jüdischen Gemeinde Chemnitz.
Die Ausstellung geht auf 32 Schautafeln zu den antiken jüdischen Ursprüngen im „Heiligen Land“, der Diaspora bis hin zur Ausrufung der Unabhängigkeit des Staates Israel im Mai 1948 ein. Sie steht unter Schirmherrschaft von Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, und Jeremy Issararoff, Botschafter des Staates Israels in Deutschland. 

Nach den zentralen Veranstaltungen der Stadt Leipzig, u.a. mit einer Ausstellungseröffnung im Neuen Rathaus,  findet an diesem Montag um 17:00 Uhr in der Nikolaikirche das Friedensgebet der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft statt. Um 19:00 Uhr beginnt in der Leipziger Thomaskirche das Konzert "Cantate l'Adonai" unter dem Motto "Ein klingendes Zeichen für Toleranz". Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Burkhard Jung bringen zwei preisgekrönte Chöre - der Leipziger Synagogalchor und der Kammerchor Josquin des Préz - das jüdisch-christliche Miteinander zum Klingen und singen Psalmen in hebräischen, lateinischen und deutschen Vertonungen aus drei Epochen.  

Am 28. Januar wird im Vorfeld der „Woche der Brüderlichkeit“ (8.-15. März) um 18:00 Uhr eine Ausstellung im BIBELHAUS der Sächsischen Haupt-Bibelgesellschaft e.V. (Kretschmerstraße 19) mit Bibeltexten und Grafiken des Moritzburger Künstlers Hans Georg Anniès (1930-2006) eröffnet. Unter dem Titel „Gott liebt auch die Unbequemen“ soll die Ausstellung den Blick auf die notwendigen Aufgaben in der Nachbarschaft, in der Gesellschaft und der Welt lenken. Die Einführung erfolgt durch einen Vortrag von Christian v. d. Herberg, Bezirkskatechet i. R.
Die diesjährige „Woche der Brüderlichkeit“ unter dem Motto „Tu deinen Mund auf FÜR DIE ANDEREN“ wird am 8. März in Dresden mit der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille im Kulturpalast eröffnet. Die zentrale Eröffnung in Dresden, und damit in Sachsen, initiiert schon im Vorfeld zahlreiche Aktivitäten.

Im Dresdner Haus der Kirche (Dreikönigskirche) wird am 5. Februar um 18:00 Uhr die Ausstellung „Gott hat den Flüchtling lieb“ eröffnet. Die Schicksale von Flüchtlingen in der Bibel – angefangen bei Abraham und Sarah bis hin zu Jesus – und das biblische Konzept der Gastfreundschaft sind Themen dieser Ausstellung. Die Schau spannt den Bogen bis hin zu den Flüchtenden von Heute, die nach oft riskanten und lebensbedrohlichen Wegen bei uns Zuflucht suchen. Moussa Mbarek, dessen Kunstwerke wir  in der Ausstellung mit den biblischen Geschichten verbinden, ist einer von ihnen. Moussa Mbarek ist vor drei Jahren aus Libyen geflüchtet und lebt in Dresden. Er ist Tuareg und kommt aus Ubari im Südwesten des Landes.  

Zum 9. Februar ist in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. wieder eine Gedenkandacht um 13:00 Uhr am Bahnhof Dresden-Neustadt (Gedenktafel Ausgang Schlesischer Platz) geplant. Sie erinnert an die Deportation jüdischer Mitbürger und Mitbürgerinnen. Von 1938 bis zum Februar 1945 dauerten die Transporte und Abschiebungen in die nationalsozialistischen Vernichtungslager. Sie gingen der Zerstörung Dresdens vor 75 Jahren voraus. Worte des Gedenkens wird Pfarrerin Frauke Fähndrich, Ev.-Luth. Kirchspiel Dresden-Neustadt, sprechen. 

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lädt am 10. Februar um 18:00 Uhr zu einem Workshop in das Jüdische Gemeindehaus (Hasenberg 1) ein. In der Veranstaltung mit Material für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen wird die unglaubliche wahre Geschichte des 24-jährigen Horst Weigmann dargestellt. Er versuchte im Januar 1944 seine jüdische Mutter vor dem Abtransport in ein KZ zu bewahren und aus dem Polizeipräsidium Dresden zu befreien. 

„Meine! Deine! Unsere Geschichte!“ heißt eine Ausstellung in der Dresdner Kreuzkirche zur Geschichte der sowjetischen und deutschen Juden im 20. Jahrhundert. Sie wird am 4. März eröffnet. Die Geschichte Deutschlands und der Sowjetunion von 1917 bis 1991 weist zahlreiche, oft unbekannte Verbindungslinien auf, nicht nur unter den Diktatoren Hitler und Stalin. Wenige wissen, dass einem der letzten Beschlüsse des Ministerrates der (Noch-)DDR am 11. Juni 1990 zufolge „ausländischen jüdischen Bürgern, denen Verfolgung oder Diskriminierung droht, aus humanitären Gründen Aufenthalt gewährt“ wird. Die damit ermöglichte Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion macht deutlich, dass es eine Geschichte von Gemeinsamkeiten gibt, die heutiges Zusammenleben in Deutschland prägen. 

Traditionell in zeitlicher Nähe zur Woche der Brüderlichkeit finden in Chemnitz die „Tage der jüdischen Kultur“ statt. Zahlreiche Veranstalter unterstützen den Kultur-Verein mit einem umfangreichen Programm vom 29. Februar bis 15. März u.a. mit Musik, Tanz, Ausstellungen, Gesprächsabenden, Seminaren und Führungen an unterschiedlichen Orten. 

Vereinbarung über engen Austausch und gegenseitige Unterstützung 

In einem kürzlich stattgefundenen Treffen haben sich Vertreter der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden in Sachsen über die Situation in Sachsen ausgetauscht und einen engen Austausch vereinbart. An dem Gespräch nahmen der Landesrabbiner Zsolt Balla, Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel sowie Dr. Timoteus Arndt teil, der als Vertreter der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft Leipzig und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsstelle Judentum der Theologischen Fakultät Leipzig eingeladen war. Das Gespräch war bereits vor dem Anschlag in Halle vereinbart worden.  

Landesrabbiner Balla dankte im Gespräch für die von der Landeskirche gegenüber der Jüdischen Gemeinde ausgedrückte Solidarität: „Insbesondere die Anteilnahme, die wir nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle von unseren christlichen Brüdern und Schwestern erfahren haben, hat uns viel Kraft und Zuversicht gegeben.“ Zu einer Kundgebung an der Synagoge in Dresden hatten damals auch die Dresdner Kirchenbezirke eingeladen. Unter den Teilnehmenden am Schabbat-Gebet und an der Kundgebung am 11. Oktober 2019 war auch eine Delegation der sächsischen Kirchenleitung.  

Alle am Gespräch Beteiligten betonten, dass  diese Solidarität sich nicht nur auf Juden und Christen beschränken sollte, sondern im Sinne der Religionsfreiheit auch andere Religionsgemeinschaften einschlösse. So solle es auch für die sächsischen Moscheegemeinden gelten. Der Kontakt zu anderen Religionsgemeinschaften in Sachsen sei zu suchen und zu intensivieren, sagte Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel. So wurde für die Zukunft ein regelmäßiger Austausch zu gemeinsamen Themen des Glaubens und des Glaubenslebens zwischen dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und der Landeskirche vereinbart.

Gedenktafel an der Dresdner Kreuzkirche
Petrus verleugnet Jesus (Joh 18,15-18,25-27 21,15-19), Wachskreide
Ausstellung über Flucht & Gastfreundschaft – in der Bibel und heute u.a. mit Werken des lybischen Künstlers Moussa Mbarek ab 5. Februar in der Dreikönigskirche

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