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Gäste aus Prag im Landeskirchenamt


16. Dezember 2019

Im Gespräch: Die jeweilige kirchliche Situation im gesellschaftlichen Kontext 

DRESDEN – Es ist immer ein Gegenbesuch, wenn sich die Mitarbeitenden der beiden Kirchenämter in Dresden und Prag traditionell in der Vorweihnachtszeit treffen. Nach einem Besuch der Sachsen in Prag im letzten Jahr, war eine vierzehnköpfige Gruppe von der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) am 16. Dezember in Dresden zu Gast.  

Die partnerschaftlichen Kontakte der beiden Kirchenverwaltungen bestehen schon gut 25 Jahre. Zwischenzeitlich fand im Oktober ein zweitägiges Treffen von Mitarbeitenden der beiden Kirchenämter in Ústí nad Labem (Aussig), Litoměřice (Leitmeritz) und Terezín (Theresienstadt) statt, bei dem Gemeindehäuser und Diakonische Einrichtungen der grenznahen Region der EKBB besucht wurden. 

Im Landeskirchenamt war nach einem Begrüßungsbüfett im Flur der Große Saal aufgrund von Feuerschutzregeln im Vergleich zu früheren Begegnungen ohne Kerzenschein und Räucherduft nüchterner gestaltet, aber das tat der herzlichen Begegnung keinen Abbruch. Oberkirchenrat Friedemann Oehme, Beauftragter für ökumenische Beziehungen, begrüßte die Gäste, insbesondere den Generalsekretär der zentralen Kirchenkanzlei, Jaromír Plíšek, dessen Frau ebenfalls am Treffen teilnahm. Vorbereitet und begleitet wurde das Treffen durch die Mitarbeitervertretung des Landeskirchenamtes, die auch die Einladung zum gemeinsamen Zusammensein aussprach.

Nach einer Andacht mit Dr. Thilo Daniel und gemeinsamen Singen hatte Generalsekretär Plíšek die Gelegenheit zu den Mitarbeitenden beider Ämter zu sprechen. Zur kirchlichen Situation der EKBB in Tschechien erwähnte er einen strategischen Plan der Synode, der weniger ein technisches Dokument oder eine feste Ordnung darstelle, als vielmehr ein Rahmenplan, wie die zukünftige Finanzentwicklung auf gemeindliche und personale Anforderungen bezogen sei. Dies beinhalte auch, den Finanzierungsbeitrag der Mitglieder neu zu hinterfragen, da sich der Staat mit einer Abfindung aus der laufenden Mitfinanzierung der Kirche zurückziehen werde.  

Zu diesen Fragen werde sich im Mai nächsten Jahres die Synode erneut befassen und weitere Anregungen aufgreifen. Auch solle über eine Koppelung der Pfarrgehälter zu den allgemeinen Gehaltsentwicklungen gesprochen werden. Auch bei diesen finanzielle Transformationsprozessen erwarte man einen positiven Ausgang in Glauben und Hoffnung, aber auch Realismus, sagte Plíšek. Durch schulisches und diakonisches Engagement werde die kleine Kirche von 70.000 Gemeindegliedern auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen.
Hinsichtlich der gesellschaftspolitischen Situation in Tschechien gebe es eine Teilung der Ansichten. In der Kirche gebe es kritische Stimmen, die oppositionell gegen die gegenwärtige Regierung eingestellt seien. Das Machttandem von Präsident und Premier gebe Anlass für Großdemonstrationen der Bürgergesellschaft. 

Der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach, begrüßte die Gäste und verwies auf unterschiedlich zu bewertende Entwicklungen in der Landeskirche in den letzten Monaten. Positiv hob er das Richtfest für das neue Landeskirchenarchiv hervor, die Begrüßung der EKD-Synode, die im November in Dresden tagte, sowie die Landeskirchenmusiktage in Dresden mit zahlreichen Konzerten, Workshops und Fachgesprächen.

Als trauriges Ereignis erwähnte er den Rücktritt des Landesbischofs und den Tod des ehemaligen Präsidenten Hans-Dieter Hofmann. Jetzt stecke man mitten in einer Strukturreform mit Kirchgemeinde-Vereinigungen, engerer Zusammenarbeit in neuen Rechtsformen, um sich auf einen gemeinsamen Weg zu begeben. Darüber hinaus gebe es gesellschaftliche Fragen, die bis in die Kirche reichen würden. So war der Rücktritt des Landesbischofs von hohem öffentlichem Interesse begleitet.
Die Herbsttagung der Landessynode habe zwei Beschlüsse gefasst, wie mit Hilfe eines Leitfadens der Umgang miteinander geregelt werden könne, gerade im Zusammenhang mit Sozialen Medien sowie Petitionen bezogen auf Personen. Dazu käme die Klärung der Sachfrage, was eigentlich konservativ, was rechtsextrem oder rechtspopulistisch sei und wo hier die Grenzen zu setzen seien.   

Im Anschluss wurden Geschenke überreicht: So, eine Krippe aus der tschechischen Walachei im östlichen Teil von Morava an der slowakischen Grenze, dann Prager Stollen, Kalender von Kirchen. Den Pragern wurden u.a. Dresdner Stollen sowie eine besondere Ausgabe des Kirchengesangbuchs überreicht. Der Gesamtrunde schloss sich ein Rundgang durchs Haus an.   

In diesem Jahr gehen die Besuche zwischen Mitarbeitern des Landeskirchenamtes in Dresden und der Kirchenkanzlei im Zentrum Prags (Jungmannova 9) in das 26. Jahr. Seit dieser Zeit besuchen sich Mitarbeitergruppen neben den Adventsbesuchen jährlich auch für ein Wochenende im Wechsel. Diese Partnerschaft zwischen Mitarbeitern entsprechender Ämter dürfte in Deutschland einmalig sein. Bei den Wochenendtreffen wird thematisch gearbeitet, um Geschichte, Struktur und Gemeindesituation in der jeweiligen Kirche besser einschätzen zu können.

Figuren der Krippe aus der Walachei Mährens
Generalsekretär Jaromír Plíšek im Gespräch mit Ökumenebeauftragten OKR Friedemann Oehme
Die Prager übergaben ein tschechisch-deutsches Weihnachtsliederheft, aus dem gesungen wurde
Ein Prager Stollen kommt nach Dresden. Entgegengenommen von Präsident Vollbach. Rechts von ihm Kathrin Wallrabe (MAV)

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