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Fundraising- und Fördermittel-Praxis digital präsentiert


13. September 2021

Das war der Kirchenfundraisingtag 2021 - online am 9. September 2021 

DRESDEN – Rund um Fundraising und Fördermittel hat am 9. September im Online-Format von 16:00 – 19:00 Uhr der Kirchenfundraisingtag 2021 stattgefunden. Gleich mehrere Premieren machten diesen zu einer Besonderheit. Erstmals wurde die Veranstaltung gemeinsam durch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens (EVLKS) in Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) durchgeführt. Und erstmals als Online-Tagung angesichts der aktuellen pandemischen Herausforderungen. 

Der Kirchenfundraisingtag hat in Federführung der sächsischen Landeskirche bereits eine lange Tradition. Als fester Bestandteil ist er in den Sächsischen Fundraisingtag integriert, der jährlich durch das Fundraiser Magazin veranstaltet wird – in normalen Zeiten in Präsenz an der Technischen Universität Dresden. In diesem Jahr richtete das Fundraiser Magazin die Tagung als kompaktes virtuelles Format aus – denn der Wunsch zum fachlichen Vernetzen und Austausch ist unverändert groß. 

Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der gemeinsamen Einladung beider Landeskirchen - aus Kirchgemeinden, Kirchenkreisen, kirchlichen Werken, Einrichtungen, Fördervereinen und Stiftungen - von nah und fern. Haupt- und Ehrenamtliche aus der Prignitz und Wittstock-Ruppin im nördlichen Brandenburg waren ebenso dabei wie kirchliche Akteure aus Potsdam, Berlin und dem Berliner Umland, aus ganz Sachsen bis hin zu Schwestern und Brüdern aus Bremen, Hamburg, Tübingen, der Slowakei und Tschechien. Mehrheitlich hatten die Teilnehmenden noch keine Vorkenntnisse. Sie wollen mit Fundraising oder Fördermitteln starten – das Interesse und der Informationsbedarf an diesen Themen im kirchlichen Kontext sind da, werden zunehmend größer und wichtiger, wie die während der Online-Veranstaltung durchgeführten Umfragen zeigen. 

Was wurde den Teilnehmenden geboten? Ein Mix aus Grundlagenwissen der Fundraising- und Fördermittel-Arbeit und sehr viel Praxis – und dies unter dem Lehrtext des Tages: „Wir sind Gottes Mitarbeiter.“ (1. Kor. 3,9). Dieser Lehrtext ist Gabe und Aufgabe/Auftrag zugleich, denn die kirchlichen Aktivitäten in den Bereichen Fundraising und Fördermittel dienen der Verkündigung des Evangeliums, so die landeskirchliche Fördermittel- und Fundraisingreferentin der EVLKS, Dorothe Ehlig, bei der Begrüßung und Verabschiedung. Dass hierbei auch große Reichweiten in das nichtkirchliche Umfeld erzielt werden können, zeigten anschaulich die drei präsentierten Praxisbeispiele. 

Einleitend ging Silke Hannemann, verantwortlich für das landeskirchliche Fundraising in der EKBO, auf die Schätze im kirchlichen Fundraising ein. Fundraising sei eine Frage der inneren Haltung und Bereitschaft. Neben diesem Fundus berge das kirchliche Fundraising Schätze in der christlichen Tradition und in den kirchlichen Mitgliederdaten. Besonders die Meldedaten böten für den Einsatz von Fundraising-Instrumenten wie vor allem Spendenbriefe und Mitgliederorientierung einen unschätzbaren Vorteil gegenüber anderen spendensammelnden Organisationen, sagte sie. 

Anschließend ergänzte Matthias Daberstiel aus seiner Erfahrung der Spendenagentur, welche Ressourcen in Gemeinden selbst liegen. So sei Fundraising Teamarbeit der Ehren- und Hauptamtlichen miteinander. Dazu brauche es zunächst die vielfältigen Gaben von Jung bis Alt in der Gemeinde selbst, vom IT-affinen Erbsenzähler, dem Allrounder-Organisator über den Netzwerker bis hin zum Seniorenkreis, dessen Mitglieder bei einem Adventsnachmittag die Spendenbriefe einer Kampagne eintüten. 

Pfarrer Andreas Fünfstück (EKBO) und Pfarrer Christoph Rechenberg (EVLKS) erläuterten, welche identitätsstiftenden Projekte sie mit europäischen Fördermitteln für den ländlichen Raum namens LEADER in ihren jeweiligen Gemeinden um Görlitz und Meißen erfolgreich umsetzen konnten und welche positiven Wirkungsentfaltungen erreicht werden können, wenn sich Kirche in die regionale Entwicklung des Gemeinwesens im LEADER-Prozess einbringt und mit anderen Akteuren im ländlichen Raum zusammenarbeitet. 

In den Bundesländern Brandenburg und Sachsen laufen 2021 und 2022 die Vorbereitungen für die nächste EU-Förderperiode, die nach einer Übergangsperiode ab 2023 startet. Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt für kirchliche Akteure, sich in die Entwicklung des ländlichen Raums über den LEADER-Prozess proaktiv einzubringen. [Erfahrungen mit Leader]

Unter dem Motto „Gib festen Halt“ stellte Pfarrer Dr. Wolf-Jürgen Grabner (EVLKS) seine erfolgreiche Spenden-Kampagne für die Dresdner Kirche Leubnitz-Neuostra vor, die - begleitet durch die Beratung von Matthias Daberstiel, Spendenagentur - im Zeitraum Herbst 2019 bis Jahresbeginn 2021 und somit mitten durch Corona-Pandemiezeiten hindurch bisher 272.000 Euro Spenden erzielte. Von den etwa 1.600 Spenderinnen und Spendern seien allein rund 30 Prozent aus der eigenen Gemeinde gekommen. Es hätten aber auch viele Nicht-Kirchenmitglieder gespendet. Dazu kämen ehemalige Gemeindemitglieder, die nicht mehr in Dresden leben würden, aber sich immer noch mit „ihrer alten“ Kirche verbunden fühlten, resümierte Pfarrer Dr. Grabner. Die Spannbreite der Spenden habe von 7,41 Euro (kleinste Spende) bis zu 10.000 Euro (größte Spende) gereicht. Die aufgebauten Beziehungen, insbesondere über den „Tellerrand der eigenen Gemeinde“ hinaus, gelte es nun, auch zu pflegen. 

Mira Körlin, EVLKS, rundete die Tagung mit praktischen Tipps aus ihrem Alltag als Pressereferentin für die Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirke Dresden ab. Denn ohne gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit funktioniert keine Spenden-Kampagne. 

Jede Referentin und jeder Referent gab die eigenen „Schätze“, die eigenen Kompetenzen und Erfahrungen sehr authentisch wieder. Und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten sich während der Online-Tagung aktiv und vielfältig mit Fragen und eigenen Beiträgen per Chat ein. Das virtuelle Format bot zudem die Möglichkeit, zum Wiedersehen zwischen Pfarrerinnen und Pfarrern aus beiden Landeskirchen. Die Rückmeldungen waren durchgehend sehr positiv. Besonders die praktischen Bezüge und die Kooperation zwischen EVLKS und EKBO wurden als sehr gelungen hervorgehoben. 

Die beteiligten Landeskirchen freuen sich sehr über den Erfolg der Veranstaltung und blicken gemeinsam weiter in die Zukunft: Der nächste Kirchenfundraisingtag in 2022 soll wieder in Kooperation der EVLKS und EKBO stattfinden. Denn Teile der EKBO befinden sich auch in Sachsen. „So liegt es nah, die regionale Verbundenheit über Kooperationen zu unterstreichen. Nähe, Mitgestalten und Teilhabe sind ja auch wichtige Spendenmotive im Fundraising“, so Silke Hannemann (EKBO). Dorothe Ehlig (EVLKS) bekräftigt, „Kirchen müssen sich vernetzen und voneinander lernen. Vor allem nach draußen gehen und mit dem Herzen Menschen für unseren kirchlichen Auftrag begeistern.“ Schließlich würden Menschen ihre Zeit, ihre Gaben und auch ihr Geld mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf spenden.
Wie kirchliche Akteure unterstützt werden können, wie Fördermittel und Spenden für die gute Sache eingeworben werden, das solle auf dem nächsten Kirchenfundraisingtag 2022 weiter thematisiert werden. Ob digital oder in Präsenz, die verfügbaren Optionen überlegen sich die Veranstalter schon jetzt.

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