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Empfang der Kirchenleitung zum Reformationsjubiläum


21. Oktober 2017

Der Glaube, eine Verheißung Gottes, die in dieser Zeit Trauergeister vertreibt

DRESDEN - Im Rahmen des diesjährigen Empfangs der Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche am 20. Oktober in Dresden war der österreichische Bischof Dr. Michael Bünker (Wien), Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), in die Dresdner Kreuzkirche eingeladen worden. Aufgrund eines kurzfristigen Ausfalls der Flugverbindung nach Dresden, musste er absagen und konnte nicht teilnehmen. Bischof Dr. Bünkers Vortrag zur Fragestellung „Reformationsjubiläum – und wie weiter?“ sollte später verlesen werden, kündigte Synodalpräsident Otto Guse in seiner Begrüßung an. Er hieß Mitglieder der Parlamente, Vertreter aus Politik, Kultur und Medien zum Kirchenleitungsempfang willkommen, der normalerweise im Sommer stattfindet, aber in diesem Jahr zeitlich nahe an das bevorstehende Reformationsfest gelegt wurde. Guse dankte allen Gästen, die sich Jubiläumsjahr an Projekten, Veranstaltungen und Feiern aktiv beteiligt hatten. 

In seinem Geistlichen Wort erinnerte Landesbischof Dr. Carsten Rentzing an die letzten zehn Jahre, aus deren Themen zur Reformation sich viele neue Impulse ergaben. Daraus sei deutlich geworden, dass die Reformation nicht nur ein historisches Ereignis, sondern ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft sei. Er hob das 1. Kapitel des Petrusbriefes hervor, in dem der ‚Hochmut‘ und die ‚Demut‘ angesprochen werde. Dies sei jeweils eine Grundhaltung und mehr als nur ein „Wert“. Er beobachte heute ein „Mittelpunktdasein“ bei Menschen sowie im kollektiven ICH bei Kirche, Staat und Gesellschaft, wo „Debatten mit Wut und Rechthaberei geführt werden“, so Dr. Rentzing. Sie seien Ausdruck von Hochmut. Demut dagegen sei die „höchste Form der Tapferkeit“. Dazu zähle, die Welt mit Zuversicht zu sehen und an Christus zu glauben. „Auf diesem Wege empfangen wir Gnade“, sagte der Landesbischof und empfahl für die Reformation das Leitwort „alle untereinander haltet fest an der Demut…“ (Petrusbrief).

Oberkirchenrat Christoph Seele, Evangelisches Büro Sachsen, las den Vortrag von Bischof Dr. Bünker vor, in dem es um Überlegungen zur Gewinnung einer Nachhaltigkeit des Jubiläums ging. Der Bischof erhebe nicht den Anspruch auf einen Gesamtüberblick „in einem vorläufigen Bericht, weil der 31. Oktober noch vor uns liegt“. Das 500. Reformationsjubiläum sei ein „besonderes Geschenk und ein Weltereignis, ein Impuls für die ganze Gesellschaft“, wurde hervorgehoben.

So wuchs sich das GEKE-Projekt (2013) der europäischen Lutherstädte von damals 25 auf jetzt über 100 aus. Die europäische Dimension habe es aber in Form von Netzwerken schon zur Reformationszeit gegeben. Briefverkehr, Sprachen in ihrer Vielfalt, verhalfen in Ländern Mittel- und Osteuropas zur Identität. Beispielsweise begehe Slowenien seit der Staatsgründung den Reformationstag als Feiertag, obwohl es dort nur ein Prozent evangelische Christen gebe. Die Entwicklung vom Lutherjahr zum Reformationsjubiläum bedeute ein internationales Treffen, aber auch das erste große Jubiläum im ökumenischen Zeitalter.

Anhand von zwei Personen stellte der Bischof in seinem Vortrag Verbindendes zwischen Österreich und Dresden vor. Zunächst erwähnte er den österreich-deutschen Kapellmeister und Komponisten Johann Strauss, dessen Donauwalzer und die Oper „Die Fledermaus“ nicht nur jährlich in Wien, sondern auch damals schon in der Dresdner Semperoper aufgegriffen worden sei und heute immer noch auf dem Spielplan stünde.
Dichter am Thema und unter der Frage „Wie weiter?“, ging Dr. Bünker auf Kirche in der Diaspora ein. Der Begriff gehe auf Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf zurück, der in 1700 in Dresden geboren wurde, seine Vorfahren aber als Glaubensflüchtlinge aus Niederösterreich kamen.

Die GEKE habe Zinzendorfs Begriff der Diaspora 2012 theologisch aufgegriffen. In Zeiten von europaweiter Säkularisierung, Radikalisierung und Polarisierung müssten sich die Kirchen in der Diaspora für ungeteilten Schutz der Menschlichkeit einsetzen und eine offene und öffentliche Kirche sein. Diaspora-Kirche sei keine „klagende und jammernde Kirche, sondern eine zuversichtliche und frohe Kirche“, so der Bischof. Der status quo solle erhalten bleiben. Bei der Suche nach Sündenböcken, bei Statusängsten und bei vermeintlicher Spaltung von Volk und Eliten, setze sich der Glaube weiterhin für die Würde des Menschen ein. Dies sei eine Verheißung, die von Gott komme, denn „er vertreibe die Trauergeister“. Deshalb solle sich die Kirche vom Evangelium leiten lassen, so Dr. Bünker.

Der Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, verwies auf Mitteldeutschland, wo Sachsen zusammen mit Thüringen und Sachsen-Anhalt das dichteste Netz von historischen Orten der Reformation aufweise. So habe Sachsen die größte Kunstsammlung aus der Reformationszeit u.a. im Dresdner Stadtschloss. Die Initialzündung der Reformation reichte aber bald über Mitteldeutschland hinaus. Er hob das Interesse und das Engagement des Freistaates hervor, das Reformationsjubiläum zu unterstützen. Dies sei u.a. durch die Schaffung des Sächsischen Lutherweges geschehen, dessen Schirmherr er sei. Damit habe er sein Bekenntnis zur Reformation und zu Luther öffentlich zum Ausdruck gebracht, sagte Dr. Rößler. Er erinnerte, dass „Dialog als Grundhaltung“ als Vorgabe zu einer Grundsatzdiskussion unter den Parlamentariern führte.

Er sprach sich für einen weiteren Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft aus und erinnerte an den gemeinsamen Start ins Jubiläumsjahr im Bautzner Dom, der größten Simultankirche Deutschlands. Dr. Rößler würdigte das ökumenische Bestreben und sprach das weltweite Leiden von Christen und Juden durch den Islamismus an. Dem Antisemitismus, auch in diesem Land, müsse entgegengewirkt werden. Er verwies auf die Sächsische Verfassung, in der biblische Aussagen wie Ehrfurcht vor dem Lebendigen, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung aufgenommen seien, damit dieser Geist „kulturbildend und dialogfördernd“ hinauswirken könne. Der Präsident des Landeskirchenamtes, Dr. Johannes Kimme, dankte dem Landesbischof für die Ausführungen über die ‚Demut‘, aber auch für den verlesenen Text von Bischof Dr. Bünker, der die europäische Sicht hervorhob. Gerade in Dresden sollten diese Worte Gehör finden. Er dankte in besonderer Weise dem Percussionisten Georg Wieland, der extra für diesen Tag vier Lutherphrasen aus bekannten Liedmelodien des Reformators komponierte und damit zur Uraufführung brachte.

Bild: Gespräche nach der Eröffnungsveranstaltung in der Kreuzkirche (Foto: evlks, OK)
Gespräche im Haus an der Kreuzkirche

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