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70. Geburtstag von Landesbischof i.R. Bohl


15. April 2020

Sein Amtsantritt verband sich mit der Wiedereinweihung der Frauenkirche

DRESDEN – Der frühere amtierende sächsische Landesbischof Jochen Bohl begeht am Sonntag, 19. April 2020, an seinem Wohnort in Radebeul seinen 70. Geburtstag. Er war bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand am 29. August 2015 elf Jahre im Bischofsamt und leitete die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche. In seinem Ruhestand ist er der Landeskirche weiter verbunden und nimmt Anteil an deren Entwicklung. So predigt er von Zeit zu Zeit auf Einladung von Kirchgemeinden. 

Synodalpräsident Otto Guse würdigt Jochen Bohl aus der Zeit der Zusammenarbeit. So war Bohl eine Legislaturperiode (1996-2001) vor ihm als Direktor des Diakonischen Amtes und berufenes Mitglied in der Landessynode. „Erst sechs Jahre später, im Frühjahr 2002, sollten wir uns als Konsynodale in der 25. Landessynode begegnen und haben uns so kennengelernt. Schon damals schätzte ich seinen Sachverstand. Als Direktor des Diakonischen Amtes, als kluger Stratege und gut vernetzter hoch engagierter Theologe und Manager brachte er viele Impulse ein. Im Besonderen ist ein solches Laiengremium darauf angewiesen, dass offen und frei, aber auch konstruktiv und zielführend gearbeitet wird“, hebt der bisherige Synodalpräsident hervor.  

„Auch später als gewählter Landesbischof habe ich Bruder Bohl immer als einen zielstrebigen und konzentrierten Leitenden der sächsischen Landeskirche erlebt. Ich bin ihm überaus dankbar für seine Besonnenheit und seine vertrauensvolle und verlässliche Art der Zusammenarbeit. Meine besten Segenswünsche kann ich leider nur aus der Distanz übermitteln. Ich gratuliere aber auf das herzlichste und wünsche ihm Glück, Gesundheit und Gottes Segen“, so Guse.  

Seit seiner Einführung als Landesbischof am 26. Juni 2004 in der Dresdner Kreuzkirche war es das Anliegen von Bischof Bohl, den Kontakt zur Pfarrerschaft enger zu gestalten und damalige und gemeinsame Herausforderungen anzusprechen. Regelmäßig versendete Pastoralbriefe, regionale Dienstbesprechungen sowie eine intensive Visitationstätigkeit in allen Regionen Sachsens bis hin zu vielen persönlichen Gesprächen prägten sein Bischofsamt. In seine Zeit fällt auch die Einführung der alle zwei Jahre stattfindenden zentralen Pfarrertage, die seit 2007 in Dresden, Leipzig und Chemnitz durchgeführt wurden. 

Ein Höhepunkt zu Beginn seiner Amtszeit war die Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche am 30. Oktober 2005, nachdem seine Vorgänger den Start und die Wiederaufbaustationen begleitet und unterstützt hatten. Als Landesbischof war Bohl Vorsitzender des Stiftungskuratoriums der Frauenkirche. In dieser Kirche konnte er vier Jahre später den US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihres Besuches in Dresden begrüßen. Neben der Kreuzkirche und dem Dom zu Meißen ist die Dresdner Frauenkirche häufige Predigtstätte des Landesbischofs. 

Die allermeisten Sonntagsgottesdienste, in denen Landesbischof Bohl in seinen Dienstjahren gepredigt hat, führten ihn aber in die breite Kirchenlandschaft Sachsens von der kleinen Dorfkirche bis zur großen Stadtkirche. Neben der Begleitung unzähliger Jubiläen ergaben sich immer wieder Gelegenheiten zu gemeinsamen Feiern und Gottesdiensten im guten ökumenischen Miteinander mit seinen katholischen Amtskollegen: So beispielsweise die Ökumenische Vesper anlässlich des Bischof-Benno-Jubiläums im Dom zu Meißen 2006 und die für Sachsen einzigartige Gelegenheit der Seligsprechung des sorbischen Kaplans Alojs Andritzki im Juni 2011, als der Landesbischof vor der Frauenkirche zu den Pilgern sprach. 

Neben seinem besonderen Einsatz in der Landeskirche pflegte Bohl vielfältige persönliche Kontakte zu Vertretern aus Politik und Gesellschaft im Freistaat Sachsen und darüber hinaus. Darüber hinaus engagierte er sich in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der weltweiten Ökumene. Er war seit 2010 Stellvertretender Ratsvorsitzender der EKD und seine Auslandsreisen führten ihn zu Partnerkirchen nach Papua-Neuguinea, Tansania, Russland, zu Kirchen in Nord- und Südamerika sowie zu Begegnungen mit Christen in mittel- und osteuropäischen Ländern. Viele Vertreter des Auslands konnte er als Bischof der gastgebenden sächsischen Landeskirche zum 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden 2011 begrüßen, für den er sich persönlich sehr eingesetzt hat.  

Die christliche Botschaft in die Öffentlichkeit zu tragen und der Kirche in Gesellschaft und Politik eine Stimme zu verleihen war Jochen Bohl über alle Jahre seines Wirkens hinweg ein wichtiges Anliegen gewesen. So hat er als Landesbischof in seinen Predigten und jährlichen Berichten vor der Landessynode regelmäßig auch aktuelle Themen aufgegriffen. Darüber hinaus positionierte er sich in der Öffentlichkeit häufig zu ethischen, gesellschaftlichen und politischen Fragen wie der Präimplantationsdiagnostik (PID), der Patientenverfügung, zur Unterstützung von Familien und sozial Schwachen, zum Demokratieverständnis, sowie zu Asyl und Flüchtlingspolitik. Aktiv warb er für evangelische Kindergärten und Schulen als Orte, an denen christlicher Glaube weitergegeben werden könne.  

Jochen Bohl ist gebürtiger Westfale und kam 1995 nach Sachsen, als er zum Direktor des Diakonischen Amtes des Diakonischen Werkes der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens berufen wurde. Er leitete neun Jahre das Amt in Radebeul, das die Interessen der Diakonie in der Liga der sächsischen Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege vertritt. Zuvor wurde Bohl in ein Dienstverhältnis als sächsischer Pfarrer aus der Evangelischen Kirche im Rheinland übernommen.   

Jochen Bohl wurde am 19. April 1950 in Lüdenscheid geboren und studierte von 1968 bis 1974 Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, der Philipps-Universität Marburg/Lahn und der Ruhr-Universität in Bochum. Sein Erstes und Zweites Theologisches Examen legte er in der westfälischen Kirche ab. Seinen zweijährigen Vorbereitungsdienst (Gemeindevikariat) absolvierte er (1974-1976) in Brüninghausen bei Lüdenscheid. 1977 wurde Bohl ordiniert und war dann nach dem Probedienst in der westfälischen Kirche von 1978 bis 1986 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Aplerbeck im Kirchenkreis Dortmund-Süd. Danach leitete er neun Jahre das Evangelische Jugendwerk an der Saar und unternahm mehrfach mit Jugendlichen Fahrten in die damalige DDR.

Landesbischof i.R. Jochen Bohl und sein Porträt des Berliner Künstlers Slawomir Elsner. Die Technik der Farbstiftzeichnung wurde 2018 fertig gestellt, die Elsner schöpferisch innovativ so anwendet, dass daraus Gemälde entstehen.
Landesbischof i.R. Volker Kreß (l.) gratuliert seinem Amtsnachfolger zum 65. Geburtstag
Besuch von Präsident Barack Obama 2009 in der Dresdner Frauenkirche
Am 30. Oktober 2005 wurde in Dresden der Wiederaufbau durch die festliche Weihe der Frauenkirche abgeschlossen.

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