Mitteilungen für Haupt- und Ehrenamtliche

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33 Haupt- und Ehrenamtliche auf der Suche nach Kirche, die weitergeht


03. September 2020

Das Weiterbildungsformat der SummerSchool "Mission & Kontext" findet in dieser Woche (31. August bis 4. September) in der Heimvolksschule Kohren-Sahlis und somit das erste Mal auf dem Gebiet der sächsischen Landeskirche statt. Diese Tagung wird gemeinsam mit dem Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Universität Greifswald (IEEG) veranstaltet. Die 33 Teilnehmer, darunter Pfarrerinnen und Pfarrer, Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter sowie Ehrenamtliche, setzen sich mit Theorie und möglicher Praxis auseinander, wie Menschen in ihrem Kontext wahrgenommen werden können und was dies für die Kirchgemeindeentwicklung bedeutet. Durch den Wandel der Gesellschaft verändern die Menschen unter anderem ihren Blick auf Kirche und Glaube. 

„Die westliche Gesellschaft ist geprägt von Individualismus, Säkularisierung, Digitalisierung, Konsumismus, die Beschleunigungsdynamik der Moderne oder die Relevanzkrise des Christentums“, weiß Roland Kutsche, Pfarrer zur Koordination und Begleitung missionarischer Projekte und Initiativen, der die SummerSchool erstmals nach Sachsen holte. Zur Relevanzkrise konkretisiert er „Menschen suchen nach Sinn und Erfüllung in ihrem Leben. Christlicher Glaube ist vor allem im Osten nicht mehr eine normale weltanschauliche Option, sondern er muss attraktiv sein. Suchende klopfen Sinn-Angebote auf ihre Relevanz im Leben ab. Dem müssen wir uns stellen.“

Das IEEG profilierte sich in den letzten Jahren als theologisches Zentrum in Fragen missionarischer und kontextueller Gemeindeentwicklung. Prof. Dr. Michael Herbst, Leiter des Instituts, führte beispielsweise die Studie „Wie finden Erwachsene zum Glauben?“ durch. „Dabei fiel auf, wie häufig Menschen von wichtigen und anregenden Beziehungen erzählten. Es waren Kontakte zu Freunden, Verwandten, aktiven Gemeindegliedern, Pfarrerinnen und Pfarrern sowie anderen Hauptamtlichen, die oft einen ersten Anstoß gaben. Darauf konnten auch gute kirchliche Angebote und Veranstaltungen aufbauen, nicht zuletzt „Kurse zum Glauben“, die auffällig viele unserer Befragten nannten, aber auch traditionelle wie experimentelle Gottesdienste“, resümiert Prof. Dr. Herbst. Seine Erkenntnisse wird er im Vortrag „Vitale Gemeinde“ auf sieben Fakten herunterbrechen, die am häufigsten eine Rolle spielten.

Auch die Entwicklung des Pfarrbildes und sich daraus ergebene Rückschlüsse auf dessen Arbeit und Ausbildung, werden im zweiteiligen Vortrag „Pfarrbild & Christsein“ diskutiert. „Pfarrerinnen und Pfarrer werden in vielen kirchlichen Texten als „Schlüsselpersonen“ im kirchlichen Leben bezeichnet. Für viele sind sie auch das Gesicht der Kirche, erste Ansprechpartner, wenn es um Taufen, Trauungen oder Bestattungen geht und vieles mehr. Sie sind durch ihre Ausbildung besonders qualifiziert, durch Verkündigung, Unterricht und Seelsorge der Gemeinde (und darüber hinaus) Gottes Wort nahezubringen. Das alles ist eine gute Gabe für unsere Kirche. Wir sehen aber auch die Schattenseiten: Auf der einen Seite überlastete Pfarrerinnen und Pfarrer, auf der anderen Seite die vielen Getauften und Begabten, deren eigene Gaben für die Gemeinde und das Zeugnis des Evangeliums nicht abgerufen, gefördert und herausgefordert werden. Wir haben ein starkes Ehrenamt in der Kirche, aber können wir wirklich schon von einem „Empowerment“ des allgemeinen Priestertums sprechen?“, analysiert Prof. Dr. Herbst die Situation.

Ein weiterer wichtiger Fakt, der in die Betrachtungen einbezogen werden muss, sind sie unterschiedlichen Voraussetzungen von Kirche und Miteinander durch die regionalen Unterschiede. Neben den offensichtlichen Unterschieden zwischen Stadt und Land, spielen auch die verschiedenen Milieus in der Gesellschaft, die jeweils individuellen Biografien sowie das persönliche Verhältnis zum Glauben eine Rolle. Somit gibt es nicht den einen Weg für Gemeindeaufbau. Prof Dr. Herbst schlussfolgert: „Erfolgreiche Konzepte, die „hier“ fruchtbar waren, können „dort“ grandios scheitern. Auch wenn manches missionarische Format erstaunliche Breitenwirkungen hat, wie z.B. Kurse zum Glauben, ist es entscheidend, sehr genau auf den jeweiligen Kontext (besser noch: die Menschen in diesem Kontext) zu hören und dann zu fragen: Wie können wir hier ganz neu das Evangelium mit den Menschen zusammen entdecken? Wir haben heute weniger ausgefeilte „best practice“-Modelle als gemeinsame Suchbewegungen, ein intensives Hören auf Gottes Wort und den jeweiligen Kontext“.

Den Teilnehmenden der SummerSchool wünscht Roland Kutsche, dass sie ein Stück der „missionarischen Grammatik“ verinnerlichen. Damit es gelingt, für die Menschen da zu sein und mit ihnen gemeinsam als relevant erlebte Formen des Glaubens zu erproben.

Weiterführende Informationen: Kirche, die weiter geht

Dr. Felix Eiffler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Theologie (IEEG) (Foto: Sandro Göpfert)
Prof. Dr. Michael Herbst (rechts) im Gespräch (Foto: Sandro Göpfert)
Roland Kutsche, Pfarrer zur Koordination und Begleitung missionarischer Projekte und Initiativen (Foto: Sandro Göpfert)
Pfarrer Benjamin Stahl (Foto: Sandro Göpfert)

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