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Empirische Studie zu Gottesdienst und Familien in der EVLKS erschienen
13. Januar 2026
Gottesdienste sind attraktiv, wenn sie auf Bedürfnisse von Familien zugeschnitten sind oder Familienmitglieder mitwirken
DRESDEN / LEIPZIG – Im Auftrag der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens hat ein sechsköpfiges Projektteam unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Deeg und Dr. Kerstin Menzel von der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig familiale Logiken des Gottesdienstbesuches untersucht. Der knapp 170-seitige Forschungsbericht liegt nun vor. Mit der Studie werde eine Leerstelle in der liturgiewissenschaftlichen Forschung geschlossen, betonen die Autoren: »Erstmals werden Bedarfe und Erwartungshaltungen von Familien mit Kindern so konkret in Bezug auf den Gottesdienst in den Blick genommen.«
Gefragt wurde einerseits danach, warum und wie Familien gern am Gottesdienst teilnehmen. Andererseits wollte das Projektteam herausfinden, wie Gottesdienste für Familien und mit Familien bereits gestaltet werden bzw. was sich Familien in einem Gottesdienst wünschen.
Das Projektteam ging von der Annahme aus, »dass Kinder nicht erst in eine Erwachsenenwelt des Glaubens und ihre Praxis hineinwachsen müssen, sondern als Kinder Gottesdienst feiern«. Ziel der Studie war es daher, »Logiken des Gottesdienstfeierns von Familien mit Kindern zu erkunden, um die liturgische Praxis zu orientieren und anzuregen«.
Dafür wurden in einem sequenziellen Mixed-Method-Verfahren zunächst qualitative Leitfadeninterviews in vier ausgewählten Kirchenbezirken der sächsischen Landeskirche durchgeführt. Anschließend hat die Landeskirche mehr als 24.000 evangelische Haushalte mit Kindern auf ihrem Gebiet angeschrieben und diese zu einer Online-Befragung eingeladen. Ausgewertet werden konnten die Antworten von 2.101 Familien, was 8,5% der Grundgesamtheit entspricht und die Studie als repräsentativ qualifiziert.
»Die rege Teilnahme und die uns erreichende Resonanz zeigt, dass Eltern sich zur Gestaltung einer Kirche mit und für Familien äußern wollen und es sich lohnt, direkt mit ihnen zu sprechen, um ihre Bedürfnisse und Wünsche zu hören.«, so Prof. Dr. Deeg. Dr. Kerstin Menzel ergänzt: »Die familiäre Sozialisation hat einen hohen Einfluss für die spätere eigene Religiosität. Deshalb ist es nötig, den Blick grundlegend auf Kinder und Familien zu richten, deren Bedürfnisse, Logiken und Erwartungen wahrzunehmen und entsprechend mit ihnen gottesdienstliches Leben zu gestalten.«
Die Studienergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Familien lassen sich ansprechen, wenn zum einen die Gottesdienstformate auf Bedürfnisse von Familien zugeschnitten sind und wenn zum anderen Familienmitglieder im Gottesdienst mitwirken. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass ehrenamtliches Engagement der Eltern in der Kirchgemeinde sowie die Teilnahme an kirchgemeindlichen Angeboten die Wahrscheinlichkeit der Gottesdienstteilnahme von Familien erhöhen. Sowohl die Kirchenmusik als auch die gemeindepädagogischen Angebote entfalten eine hohe Bindungskraft.
Bezüglich der gottesdienstlichen Elemente gehören Singen, Beten, Gesegnet werden zu den wichtigsten Grundvollzügen. Musikalische Vielfalt und die Sensibilität für gleichberechtigte Teilhabe aller Kinder und Erwachsenen sind ebenfalls bei der Gestaltung familienfreundlicher Gottesdienste grundsätzlich in den Blick zu nehmen.
Der Bericht schließt mit konkreten Vorschlägen zur Liturgie sowie zur förderlichen Zusammenarbeit der an einem Gottesdienst mitwirkenden kirchlichen Berufen und Personen. Zugleich regt er an, gottesdienstliche Formate an kirchlichen Orten außerhalb der Kirchgemeinden in den Blick zu nehmen. Am Ende formuliert der Bericht mehrere Gesprächsimpulse für Kirchenvorstände, um neben der landekirchlichen Perspektive ein Bild der Situation konkret vor Ort zu erhalten. Insofern ist die Studie nicht nur den haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Verkündigungsberufen zur Lektüre empfohlen, sondern auch Personen in kirchenleitenden Gremien.
Die Studie ist als digitales Dokument über den Publikationsserver der Universität Leipzig (Qucosa) abrufbar.