Mitteilungen

111 Jahre Kirchliche Frauenarbeit

Bereich

Kirchliche Frauenarbeit in Sachsen feierte Jubiläum

111 Jahre Kirchliche Frauenarbeit in Sachsen war Anlass für ein Sommerfest in Dresden-Blasewitz mit zahlreichen Gästen aus Kirche und Gesellschaft. Die Bewirtung an diesem Tag übernahmen Kollegen der Kirchlichen Männerarbeit.   

Kirchliche Frauenarbeit ist immer sozialpolitische Arbeit

Ein „einstelliges“ Jubiläum wäre nicht unbedingt Anlass für eine Feier, aber bei 111 Jahren weht schon mehr Geschichte im Hintergrund. So wurde am 16. August in Dresden-Blasewitz in die Tauscherstraße 44 zum Jubiläum der Kirchlichen Frauenarbeit in Sachsen eingeladen. Ein Gartenfest für Freundinnen und Freunde der Frauenarbeit wurde von Mitarbeitenden, der Landesleiterin Kathrin Pflicke und dem Leiter, Pfarrer Dr. Erik Panzig, vorbereitet. Beide begrüßten die Gäste vor dem Dienstgebäude, das auch andere kirchliche Werke und Dienste beherbergt. So übernahmen die Kollegen der Kirchlichen Männerarbeit an diesem Tag die Bewirtung der mehrheitlich weiblichen Gäste.

Grußworte überbrachten eine ehrenamtliche Mitarbeiterin aus Sebnitz, Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer vom Landeskirchenamt und Susanne Köhler, Vorsitzende des Landesfrauenrates.
„Was uns unsere Vorfrauen sagen können – was wir sie fragen wollen. Vom Gehorsam zur Autonomie?“, war ein dialogischer Rückblick auf die Geschichte und Entwicklung der Frauenarbeit durch besondere Persönlichkeiten. So kam u.a. die Nachkriegssituation zur Sprache, in der viele Frauen – durch den Krieg verwitwet – mit ihrer familiären Situation alleine fertig werden mussten. Unterstützung und Würdigung bot die Kirchliche Frauenarbeit mit den Rogate-Treffen 1947 mit einem Fest unter dem Thema „Gottes Gebot für Frauen in Not“ an.

In der DDR-Zeit wandelte sich dieses Format mit stärkerer Einbeziehung der Basis und die politische Situation sorgte mit der Diskussion um die Einführung einer Wehrpflicht für Frauen für neue Herausforderungen. So habe sich die Frauenarbeit dagegen positioniert und sich in den konziliaren Prozess eingebracht, Friedensgebete unter dem Motto „Frauen für den Frieden“ organisiert sowie die Teilhabe von Frauen in kirchlichen Ämtern eingefordert.
Mit der politischen Wende ergaben sich neue Chancen der Mitwirkung. Schnell entwickelte sich die Initiative um ein Müttergenesungswerk mit der Eröffnung eines Kurhauses für Mütter und Kinder in Gohrisch 1994. Aus finanziellen Gründen musste es zehn Jahre später schließen. Auch das Haus „Esther“ in Kipsdorf habe aufgegeben werden müssen. Abgesehen von finanziellen Notwendigkeiten hätten es „frauenspezifische Angebote vielfach nicht leicht“, so das Fazit der Frauen.  

Die frühere Landespfarrerin Ulla August (1994-1999) sprach anschießend zu den Gästen und richtete den Blick auf die Gegenwart. Für sie sei die Frauenarbeit immer kontextuell und geschlechtsspezifisch orientiert. Sie arbeite im ökumenischen Kontext und unterstütze die feministische Theologie aus der Vorarbeit der Rogate-Treffen. Kirchliche Frauenarbeit müsse vernetzt sein, ob mit Forschung und Lehre, der Erwachsenenbildung, der Jugendarbeit sowie anderer Dienste und Werke der Kirche in und außerhalb der Landeskirche. Bei allem sei die Kirchliche Frauenarbeit zudem immer sozialpolitische Arbeit, so Pfarrerin Ulla August.

Trotz der vergangenen Strukturveränderungen zeigten sich die Vertreterinnen der Frauenarbeit unbeeindruckt vor zukünftigen Herausforderungen. Aufgrund des außerordentlichen ehrenamtlichen Engagements habe die Frauenarbeit auch in Zukunft Bestand. Dem Anlass angemessen, wurden am Nachmittag „Impulse aus 111 Jahren Frauenarbeit“ breiten Raum eingeräumt, bevor eine Andacht und ein anschließender Ausklang an der Feuerschale die Feier beendeten.

Als Hintergrund des Jubiläums gilt die Bildung eines „Ausschusses für christlichen Frauendienst in Sachsen“ im Oktober 1907 als Dachverband der verschiedenen Frauenverbände, dem späteren „Landesverband für christlichen Frauendienst“.

In der Gegenwart organisiert die Frauenarbeit in der sächsischen Landeskirche Tagungen, Bildungsveranstaltungen und ist in kirchlichen und gesellschaftlichen Verbänden und Gremien vertreten. Dieser Arbeitszweig der Kirche bereitet alljährlich den Weltgebetstag der Frauen Anfang März sowie das Rogate-Frauentreffen im Mai vor. 58 Prozent der Gemeindeglieder der Landeskirche sind Frauen, von denen über 40.000 ehrenamtlich tätig sind.

Die Dienststelle der Frauenarbeit befindet sich in der Tauscherstraße 44 in Dresden-Blasewitz. Als Multiplikatoren und Ansprechpartnerinnen für die Frauendienstleiterinnen in den Gemeinden sind in der Landeskirche Reisereferentinnen in den Regionen tätig.

Kirchliche Frauenarbeit in Sachsen

https://www.frauenarbeit-sachsen.de/


Teilen Sie diese Seite