27. Landessynode - Herbsttagung 2017

Sonntag, 19. November 2017

Berichte/Aussprachen/Beratung

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Gottesdienst und Beginn der öffentlichen Sitzung

Am Morgen des 19. November, dem vorletzten Sonntag im Kirchenjahr, feierten die Mitglieder der Landessynode gemeinsam mit der Dreikönigsgemeinde in der Dreikönigskirche einen Predigtgottesdienst mit einer Taufe. Den Gottesdienst leitete Pfarrerin Frauke Fähndrich liturgisch und musikalisch wurde er von Prof. Martin Strohhäcker (Orgel); Gudrun Strohäcker (Flöte) und Johannes Strohhäcker (Cello). In seiner Predigt ging Pfarrer Ravinder Salooja, Direktor des Leipziger Missionswerkes, auf das biblische Gleichnis des „untreuen Verwalters“ und damit auf die rechte Verwaltung der Ressourcen ein. Er erinnerte an die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Windhoek im Frühjahr. Zwei Teilnehmerinnen brachten zwei Anliegen aus der Vollversammlung ein: „Erlösung ist nicht für Geld zu haben“ und „Menschen sind nicht für Geld zu haben“. Es sei eine wichtige Botschaft, das Geld für andere Menschen auszugeben und ohne Eigensinn großzügig zu sein. Ideelle Werte seien nicht zu kaufen, schon gar nicht im Sinne eines Ablaßhandels. ‚Menschen sind nicht für Geld zu haben‘, bedeute, sich gegen Eigennutz, Sklavenhandel und Ausbeutung der Schöpfung aufzulehnen. 

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Ausländische Gäste auf der Herbsttagung

Aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Europäischen Russland war erneut die Moskauer Pröpstin Elena Bondarenko, Referentin für Außenkontakte der ELKER, zu Gast. In ihrem Grußwort berichtete sie über die Rückgabe der evangelischen Kathedrale St. Peter und Paul in Moskau vom Staat in das Eigentum der Kirche. Zu diesem Anlass war auch am 25. Oktober  Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Moskau zugegen, der sich als Außenminister dafür eingesetzt hatte. Der Besuch erfolgte auch in Erinnerung der Oktoberrevolution, in deren Folge Christen verfolgt, Kirchen geschlossen und enteignet sowie viele Geistliche umgebracht wurden. Frau Bondarenko berichtete in ihrem Grußwort auch vom Reformationsjubiläum am 31. Oktober, welches mit einem großen Gottesdienst in St. Peter und Paul gefeiert wurde. Zum Abschluss äußerte sie ihre Freude darüber, dass Landesbischof Dr. Rentzing im kommenden Jahr zu einem Besuch nach Moskau kommen wird. Pröbstin Bondarenko wurde begleitet von der Vorsitzenden der Moskauer Gemeinde, Maria Frolowa.

 

 

Propst Marcis Zeiferts war als Gast aus der Evangelisch Lutherischen Kirche Lettlands das erste Mal in Dresden. Die Propstei Kandava (Kandau) ist eine von 16 in Lettland mit 30 Gemeinden. Zeiferts ist Pfarrer in Tuckums. Er studierte u.a. in Heidelberg Evangelische Theologie.
Aus der tschechischen Republik kam als Vertreter der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder Pfarrer Jiri Samsula aus dem nahen Litomerice (Leitmeritz) zur Herbsttagung der Landessynode in Dresden. Seine erste Pfarrstelle in Leitmeritz trat er nach dem Studium in Prag und Berlin an. Die Predigtstätte ist ein Gemeindehaus, von dem auch seit Jahren ein hohes Engagement der Diakonie für geistig behinderte Menschen ausgeht. Derzeit strebt Pfarrer Samsula eine Promotion an.


 

 

Bericht der Evangelischen Jugend vom "Forum Zukunft"

Landesjugendpfarrer Tobias Bilz und die Vorsitzende der Landesjugendkammer der Evangelischen Jugend Sachsen, die Synodale Stephanie Golde, stellten der Landessynode die Ergebnisse des Zukunftsprozesses der Evangelischen Jugend vor. Ein Film über das "Forum Zukunft" im September 2017 brachte den Synodalen nahe, wie begeistert, kreativ und neugierig sich Jugendliche in der Evangelischen Jugend  engagieren und welche Wünsche und Gedanken sie bewegen. Sie erläuterten die Stationen des Zukunftsprozesses und dankten in diesem Zusammenhang der Synode und der Kirchenleitung für deren Unterstützung.

Sie machten deutlich, dass ein Beteiligungsprozess wie dieser viel Zeit und Kraft erfordern, sich aber am Ende lohnen. Es sei wichtig, Themen und Konzepte zur Diskussion zu stellen, bevor sie fertig und entschieden sind. Und sie machten klar, dass die Jugendarbeit bereit ist, sich in die Prozesse und Gremien der Landeskirche einzubringen und daran mitzuarbeiten. Sie baten die Landessynode, Möglichkeiten der Beteiligung von Jugendlichen auf allen Ebenen kirchlicher Arbeit zu schaffen und sie aktiv einzubeziehen. 

In der Aussprache im Anschluss dankten ganz viele Synodale für den begeisternden Film und das Engagement in diesem jahrelangen wichtigen Prozess. Der Film und der Bericht habe viel Zuversicht und Hoffnung ausgestrahlt. Viele bestärkten die Evangelische Jugend in ihrem Bestreben, sich stärker in landeskirchliche Prozesse und landeskirchlichen Gremien einzubringen. 


Bericht des Leipziger Missionswerkes

Der Direktor des Leipziger Missionswerkes, Ravinder Salooja, berichtete vor der Landessynode von der aktuellen Arbeit des Leipziger Missionswerkes. Seinen Bericht begann er mit einer kurzen visuellen Impression von der 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Windhoek, Namibia, an der Vertreter des Leipziger Missionswerkes zusammen mit einer Delegation aus Sachsen teilnehmen konnten. Im ersten Teil seines Berichtes ging Pfarrer Salooja auf die Situation des Missionswerkes in Leipzig ein und erwähnte in diesem Zusammenhang auch den Zukunftsprozess, in dem nach neuen strukturellen Lösungen für die missionarische Arbeit in Sachsen und Mitteldeutschland gesucht werden soll.

Pfarrer Salooja ging weiter auf die einzelnen Partnerschaften mit lutherischen Partnerkirchen in Indien, Tansania und in Papua-Neuguinea ein, in die regelmäßig Freiwillige und ökumenische Fachkräfte entsandt werden. In mehreren Kirchen gebe es verstärkt den Wunsch, Partnerschaften zwischen Diözesen in diesen Kirchen und Gemeinden  in Sachsen zu gründen. Weiter berichtete Pfarrer Salooja  über die Aktivitäten des Leipziger Missionswerkes im vergangenen Jahr und geplante Projekte im kommenden Jahr. 


Beratung von selbständigen Anträgen im Zusammenhang mit der Debatte um die Kirchgemeindestrukturen

In Veränderung der Tagesordnung wurden einzelne selbständige Anträge von Synodalen aus der Debatte um die Kirchgemeindestrukturen beraten und abgestimmt. Einstimmig beschlossen wurde die Drucksache 139, die der Synodale Leonhard Krause einbrachte und mit der die Ko-Finanzierung von Stellen im Verkündigungsdienst thematisiert wird. Beschlossen wurde, dass dieser Aspekt in die Ausgestaltung der Struktur- und Stellenplanung einfließen soll. Die in der Landeskirche bereits vorhandenen und praktizierten Möglichkeiten zur Ko-Finanzierung von Stellen im Verkündigungsdienst (beispielsweise durch Stiftungs-/Lehenserträge, Fördervereine, Spendenkreise) sollen benannt und befördert werden. Weiterhin wird das Landeskirchenamt gebeten, im Frühjahr 2018 über die vorhandenen Möglichkeiten und die derzeitige Ausprägung in der Praxis zu berichten, um Erfahrungswerte zu vermitteln und Anregungen für die Zukunft gewinnen zu können. 

Ein weiterer Antrag hatte eine Veränderung des Verhältnisses des sogenannten Dreigespanns zum Thema. Das Dreigespann wurde zunächst als eine bewährte Arbeitsform gewürdigt. Das derzeitige Dreigespann sieht für eine bestimmte Zahl von Gemeindegliedern Stellenanteile im Pfarrdienst von 100 Prozent, Stellenanteile in der Gemeindepädagogik in Höhe von 45 Prozent und Stellenanteile in der Kirchenmusik in Höhe von 30 Prozent  vor. Laut Antrag der Drucksache 140 soll dieses Verhältnis dahingehend verändert werden, dass die Stellenanteile für Gemeindepädagogik und Kirchenmusik auf jeweils 50 Prozent erhöht werden, die neben einer vollen Pfarrstelle im Verkündigungsdienst der Gemeinde vorgesehen sind. Der Einbringung des Antrages durch die Synodale Gertrud Günther folgte eine intensive und lange Debatte. Auf Antrag eines Synodalen stimmte eine Mehrheit der Synode zu, den Antrag zur weiteren Beratung in den Theologischen Ausschuss zu überweisen. 


Bericht des Ad-hoc-Ausschusses "Kirche und Diakonie"

Der Vorsitzende des Ad-hoc-Ausschusses "Kirche und Diakonie, der Synodale Christoph Apitz, erinnerte zu Beginn seines Berichts zunächst an die Hintergründe, die zur Entstehung des Ad-hoc-Ausschusses geführt hatten und an die Aufgaben, die ihm von der Landessynode übertragen worden waren. Daran anschließend ging er näher auf die aktuellen Strukturen und Gremien des Diakonischen Werkes Sachsen e.V. ein. Gleichwohl die Diakonie Lebens- und Wesensäußerung der Kirche sei, seien ihre Strukturen immer schon andere als in der Kirche gewesen. Das Gegenüber von Diakonie und Kirche beschrieb Apitz als "Konzentrische Differenzierung".

Apitz berichtete weiter, dass eine Befragung der Diakonischen Werke und Stadtmissionen durch den Ausschuss einen erstaunlich hohen Rücklauf gehabt habe. Er zeige eine in aller Regel gute Verbindung zwischen den Kirchenbezirken und den ephoralen diakonischen Werken. Als Herausforderung werde der Fachkräftemangel gesehen, der sich nochmals verstärkt werde durch die Problematik fehlender Fachkräfte mit christlichem Hintergrund. In den Rückmeldungen sei auch ein Vertrauensverlust zwischen den Mitgliedern des Diakonischen Werkes Sachsen und dem Spitzenverband beklagt worden im Zusammenhang mit der Gründung der Diakoniestiftung, so Apitz. Es wurden in vielen Gesprächen mit Trägern und Werken immer wieder angemahnt worden, Konkurrenzen durch einzelne diakonische Träger zu vermeiden. 

Abschließend ging Apitz in seinem Bericht auf die einzelnen Punkte der Drucksache 124 ein, die den Synodalen als Antrag des Ad-hoc-Ausschusses vorlag. Dem Bericht schloss sich eine ausführliche Aussprache zu den angesprochenen Themen an. Die emotional geführte Debatte wurde 18 Uhr unterbrochen und eine Sitzung des Ältestenrates einberufen. 



Landessynode beauftragt den Ad-hoc-Ausschuss "Kirche und Diakonie" mit der Weiterarbeit an der Novellierung des Diakoniegesetzes

Nach intensiver Debatte über die Drucksache 124 stimmte die Landessynode dem Antrag des Ad-hoc-Ausschusses "Kirche und Diakonie" zu, der folgenden Wortlaut hat:

Die Synode nimmt den Zwischenbericht des Ad-hoc-Ausschusses zur Kenntnis und beauftragt ihn, unter Mitbeachtung der folgenden Punkte weiterzuarbeiten.

  1. Die mit dem Diakoniegesetz von 1990 verfolgte Intention, wonach diakonische Arbeit in erster Linie Aufgabe der Kirchenbezirke und ihrer Ephoralvereine ist, soll beibehalten werden. Damit wird die grundlegende Struktur der diakonischen Arbeit auf Ebene der Kirchgemeinden, Kirchenbezirke und Landeskirche fortgeführt.
  2.  Aus diesem Grund soll es auch künftig einen Landesverband der Diakonie, Ephoralvereine und andere diakonische Träger geben. Allerdings fungiert der Landesverband künftig als Verband der Ephoralvereine. Ihm gehören neben allen Ephoralvereinen überregionale Spezialträger (ediacon, bbw etc.) sowie regionale Spezialträger (bspw. diakonische Ausbildungsstätten, Diakoniestiftung) an.
  3.  Die anderen diakonischen Träger, die regional in den Kirchenbezirken arbeiten, sollen freiwillig aus dem DW Sachsen ausscheiden und Mitglieder bei den Ephoralvereinen werden.
  4.  Das Diakonische Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens e. V. übernimmt
    - die Interessenvertretung (u. a. in der Liga, ggü. dem KSV, der Diakonie Deutschland und dem Freistaat Sachsen),
    - die Arbeit in Gremien,
    - die Fachberatung für die Ephoralvereine und deren Mitglieder und
    - die Führung landeskirchlicher Spezialträger.
  5. Diese Strukturveränderung vollzieht in der Diakonie die Stärkung der mittleren Ebene: und zwar sowohl innerkirchlich als auch gegenüber der kommunalen Selbstverwaltung. Sie zielt ausdrücklich nicht auf Einsparungen in der finanziellen Ausstattung der diakonischen Arbeit in der Landeskirche.
  6.  Auf landeskirchlicher Ebene wird eine Fokussierung auf überregionale Träger und durch die Einflußnahme seitens der Ephoralvereine auf das DW Sachsen eine deutlichere Konzentration auf gesamtdiakonische Aufgaben erwartet.
  7. Eine engere Verbindung zwischen Kirchgemeindegliedern und Kirchgemeinden und der Diakonie soll durch eine generelle Mitgliedschaft aller Kirchgemeinden im jeweiligen Ephoralverein sichergestellt werden. Daneben ist der Kirchenbezirk geborenes Mitglied des Ephoralvereins.

Ziel ist es, ein Konzept zur Novellierung des Diakoniegesetzes zu erstellen. Dabei soll der Ausschuss die Träger diakonischer Arbeit auf allen Ebenen einbeziehen.


Aussprache zum Tätigkeitsbericht des Landeskirchenamtes

Später als geplant starteten die Synodalen in die Aussprache zum Tätigkeitsbericht. Dieser war den Synodalen im Vorfeld übersandt worden und sie hatten nun Gelegenheit, dazu Fragen zu stellen und Anmerkungen zu geben. Diese Aussprache wurde aufgrund der vorgerückten Stunde unterbrochen und wird am Montag fortgesetzt.

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