27. Landessynode - Frühjahrstagung 2018

Sonntag, 15. April 2018

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Gedenkgottesdienst in der Auferstehungskirche Dresden-Plauen

Der Abendmahlsgottesdienst am Sonntagvormittag in der Auferstehungskirche in Dresden-Plauen mit Landesbischof Dr. Carsten Rentzing fand bewusst an dem Ort statt, wo im April 1948 die erste frei gewählte Synode nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur zusammenkam. Das 70-jährige Gedenken wollten die Mitglieder der Landessynode gemeinsam mit der Ortsgemeinde begehen, um an das Schuldbekenntnis der damaligen Synode in Bezug auf die systematische Verfolgung und Hinrichtung von Juden in Sachsen zu erinnern.

Kirchenmusikalisch wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor und der Kurrende unter Leitung von KMD Sandro Weigert gestaltet.

In seiner Predigt ging Landesbischof Dr. Rentzing auf das biblische Bild des Guten Hirten ein. Er verwies darauf, dass auch Vertreter der Synode ab 1933 den falschen Führern folgten. Das führte in die Katastrophe und zum millionenhaften Tod jüdischer Bürger.

Für die Kirche ging es darum, diese Mitschuld zu bekennen und die Kirche zu erneuern. Sie sollte wieder christusorientiert dem Guten Hirten folgen. Insbesondere den haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden komme auch in den heutigen Herausforderungen eine besondere Verantwortung und Vorbildfunktion zu. „Der Geist Christi ist der einzige Maßstab“, sagte Dr. Rentzing. Alle müssten sich fragen: „Was dient Christus heute?“


Grußwort von Bischof Waldemar Pytel (Breslau)

Für Bischof Waldemar Pytel von der westpolnischen Diözese Breslau der Evangelischen Kirche A.B. Polens sei die Einladung der Synode eine Ehre und Freude sowie Ausdruck der Freundschaft und des Wohlwollens. Er war vor drei Jahren in Breslau in sein Bischofsamt eingeführt worden.

Für die Diözese, die sich vom Riesengebirge bis zur Ostsee erstreckt, hob er deren sozialdiakonisches Handeln hervor. So engagiert sich die Kirche in Alten- und Behindertenheimen sowie im Bildungssektor in Kindergärten und Grundschule. Auch die besonderen ökumenischen Beziehungen zwischen der katholischen und der griechisch-katholischen Kirche erwähnte er. So gab es einen gemeinsamen Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum in Breslau. Überhaupt sei das Reformationsjubiläum in Gottesdiensten, in Kunst und Kultur sowie Ausstellungen thematisiert worden. 

Bischof Pytel wies zuletzt auf eine Besonderheit hin: So feiert das niederschlesische Neukirch 500 Jahre Reformation, wo bereits im Jahre 1518 ein Gottesdienst im Geiste der Reformation gefeiert worden sei, während es andernorts erst Jahre später der Fall war.


Bericht der Diakonie

Synoden- und Tätigkeitsbericht der Diakonie wurden den Synodalen schriftlich bekannt gemacht.


Fortsetzung der Ersten Beratung des Kirchengesetzes zur regionalen Zusammenarbeit von Kirchgemeinden, Kirchgemeindebünden, Kirchspielen und Schwesterkirchverhältnissen

Die gestern unterbrochene Erste Beratung des Kirchengesetzes zur regionalen Zusammenarbeit wurde fortgesetzt. Die Landessynode stimmte  dem Antrag des Rechtsausschusses zu (Vorlage Nr. 45, Drucksache Nr. 160), der Änderungen am Gesetzesentwurf vorsieht, den die Kirchenleitung vorgelegt hatte.

Die wichtigsten Änderungen:

  • Es sind Schwesterkirchverhältnisse von bis zu sechs Kirchgemeinden möglich.
  • Die Möglichkeit einer Bildung von Kirchgemeindebünden wird gestrichen.

Die geänderte Gesetzesfassung wurde in der Ersten Lesung angenommen. Die Zweite Beratung erfolgt am Montag.

Thema "Kirchgemeindestrukturen in der Diskussion"


Nominierung und Wahlen

Durch das Ausscheiden der Synodalen Yvonne Gruber (Wahlkreis Plauen) müssen je ein Platz im Gemeinde-, Missions- und Diakonieausschuss sowie im (Rechnungs-)Prüfungsausschuss neu besetzt werden. Für ersten wurde die Synodale Sylvia Freitag, für den zweiten Platz Synodaler Thomas Alscher nominiert.

Beide wurden von der Synode einstimmig in den jeweiligen Ausschuss gewählt.


"Im Foyer": Infostand für den Taufkoffer

An einem Infostand präsentierte Manja Erler den Taufkoffer, den eine gemeinsame Arbeitsgruppe des TPI Moritzburg, der Arbeitsstelle Kirchenmusik,  der Diakonie, dem Trägerverband Evangelischer Kindertagesstätten und Mitarbeitenden des Landeskirchenamtes zusammengestellt hat.

Er enthält Materialien, die Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Arbeit zum Thema "Taufe" in Kindertagesstätten nutzen können. Symbole und Gegenstände, eine Arbeitshilfe und eine CD mit Liedern und Geräuschen bieten praktische Anregungen für alle Sinne. 

Weitere Informationen zum Taufkoffer

 

 


Grußworte von Pfarrerinnen aus Indien und Tansania

Pfarrerin Helen Monica Kennedy von der Tamilischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (TELC) überbrachte Grüße aus ihrer Kirche. Sie sei stolz, in der Mutterkirche am Internationalen Begegnungsprogramm „Mission to the North“ teilnehmen zu können. Früher hätten die Mutterkirchen gelehrt, zu essen und zu trinken gegeben, „jetzt brauchen wir die Partnerschaft weiterhin“. Sie wurde 2012 ordiniert und arbeitet als Pfarrerin an der TELC-Zionskirche in Ootacamund/Udagamandalam, nordwestlich von Coimbatore. Pfarrerin Kennedy ist Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern. Ihr Ehemann ist ebenfalls Pfarrer.

Die 45-Jährige Pfarrerin Nancy Nahum Mtera kommt aus der Konde-Diözese im Südwesten des Landes. Sie bedankte sich vor den Mitgliedern der Landessynode für die historische Partnerschaft und auch dafür, während ihres jetzigen Aufenthalts lernen zu dürfen. Aufgewachsen in Mbeya, lebt sie seit 2013 in Tukuyu. Dort arbeitet sie als Pastorin an der Hauptkirche. In diesem Jahr jährt sich die Ankunft der ersten sächsischen Missionare im heutigen Tansania zum 125. Mal.

Die zwei Pfarrerinnen aus Indien und Tansania werden bis zum 27. Juni die Ideen für eine Kirche von morgen mit entwickeln helfen.

Das Nachdenken über zukunftsfähige Strukturen begleitet Kirchen in Deutschland bereits seit Jahrzehnten. Das Leipziger Missionswerk will gezielt die Perspektiven der Partnerkirchen in diese Diskussionen einbringen. „Gemeinde querdenken: Neue Wege für eine alte Kirche“ – so lautet der inhaltliche Schwerpunkt des internationalen Begegnungsprogramms „Mission to the North“ (Mission in den Norden) in diesem Jahr.


Rückblick auf Lutherdekade und Reformationsjubiläum

OLKR Dr. Peter Meis und der zuständige Referent, Michael Seimer, warfen einen Rückblick auf die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum. Dr. Meis reichte die häufig gestellte Frage weiter, was denn die Reformationsfeierlichkeiten gebracht hätten. Er sei der Ansicht, dass dies abschließend noch nicht gesagt werden könne, zumal eine Dokumentation über die Struktur des Gedenkens geplant sei.

Dr. Meis hob aber einige Areale des „virtuellen Luthergartens“ und seiner unterschiedlichen Gewächse hervor. Das Thema habe neben der Theologie die Räume von Kunst und Kultur geprägt. Allerdings bliebe noch zu fragen, welches Lutherbild neben mancher trivialer Darstellung und Vermarktung bleiben werde. Wie könne die reformatorische Kernbotschaft von der Freiheit eines Christenmenschen inmitten einer säkularisierten und von Weltangst geprägten Gesellschaft Akzeptanz und Wirkung entfalten?

Referent Seimer nahm 4 Themenfelder auf, die die EKD für ihr eigenes Rückblickspapier „Zukunft auf gutem Grund“ definiert hat.

Beteiligungsjubiläum

Eine spannende Erfahrung für die Landeskirche sei die Zusammenarbeit mit kirchlichen, staatlichen, kulturellen und touristischen Institutionen gewesen. Höhepunkte waren der Kirchentag auf dem Weg in Leipzigs Stadtmitte, das Festwochenende in Wittenberg, das Konficamp mit 500 Teilnehmern oder das grenzüberschreitende Projekt des Europäischen Stationenwegs in Torgau und Zwickau. Touristische Projekte wie der Lutherweg in Sachsen haben Netzwerke geschaffen, die auch zukünftig genutzt werden sollen.

Glaubensjubiläum

Eine Fülle an Veröffentlichungen lud ein, sich mit Luther, Reformation oder theologischen Fragen auseinanderzusetzen. Die Landeskirche veröffentlichte in jedem Jahr der Lutherdekade ein Themenjournal, das Fragestellungen des Glaubens im sächsischen Kontext aufzuzeigen versuchte. „Reformation und Toleranz“ oder die Wanderausstellung „Martin Luther und die Juden“ beleuchteten auch Schattenseiten. „Von Risiko bis Nebenwirkung - Reformation buchstabieren“ lud 2017 dazu ein, die Reformationsbezüge in unserer Zeit zu entdecken.

Ökumenejubiläum

Ökumene war ein Schwerpunkt dieses Jubiläums. Denkwürdige Veranstaltungen seien die Eröffnung des Jubiläumsjahres mit einem ökumenischen Gottesdienst im Dom zu Bautzen gewesen; ebenso eine Akademieveranstaltung und ein Versöhnungsgottesdienst mit der katholischen Kirche im Meißener Dom. Auch in Chemnitz, Dresden, Leipzig, Zwickau, Grimma fanden ökumenische Gottesdienste statt. Die weltweiten Begegnungen, z.B. im Rahmen der Christlichen Begegnungstage (Budapest 2016), trugen zu Horizonterweiterungen bei.

Kulturjubiläum

Eine erstaunliche Menge an Ausstellungen, Konzerten, Theateraufführungen und Projekten der Bildenden Kunst wurden auf Landes- und kommunaler Ebene sowie im Bereich privater Initiatoren umgesetzt. Kirche sei an vielen Stellen als Kulturträger und interessanter Projektpartner wahrgenommen worden. Besonderes Engagement zeigten sächsische Kirchgemeinden mit eigenen Jubiläumsangeboten und Festveranstaltungen. Im Bildungsbereich entstanden vielfältige Materialien und Impulse, z.B. die Wanderausstellung für Kinder und Familien „Mensch Martin – Hut ab!“.

Eine Bilanz zu Lutherdekade und Reformationsjubiläum zu ziehen, hieße aber, so Seimer, nicht nur „Was war?“, sondern auch „Was hat gefehlt?“. Die noch laufende Auswertung (Umfrage, Dokumentation, Rückblicke…) befasse sich auch selbstkritisch mit ggf. falschen Erwartungen, negativen Begleiterscheinungen und Problempunkten der Jubiläumsveranstaltungen, aus denen man lernen könne.

Ansonsten wolle man die gewonnenen Erkenntnisse weitertragen und gelungene Formate weiterpflegen. Und sich auch einmal wieder über das ganz Normale freuen: „Gemeinde ereignet sich im Alltag“.

Der Präsident des Landeskirchenamts, Dr. Johannes Kimme, dankte dem Referenten Seimer und dem Beauftragten für die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum, Christoph Seele, für die hervorragende Arbeit und Kooperation. 


"70 Jahre Landessynode nach dem II. Weltkrieg"

Am Abend widmete sich die Landessynode dem Gedenken an "70 Jahre Landessynode nach dem 2. Weltkrieg". Zu Beginn der abendlichen Feierstunde in der Dreikönigskirche begrüßte Synodalpräsident Otto Guse seine Vorgängerin Gudrun Lindner, Vorsitzende der 24. und 25. Synode, sowie Rolf Böttcher, der in der 22. und 23. Legislatur der Synode vorstand.

Alle drei sind Nachfolger von Reimer Mager, der zum ersten Präsidenten nach dem Krieg gewählt wurde und dieses Ehrenamt bis zu seinem Tode 1966 innehatte. Im April 1948 tagte die Synode zum ersten Mal nach der Nazidiktatur, und die Kirche musste erst wieder ihre Konstitution wiederfinden. 

Die Vizepräsidentin der Landessynode, die Historikerin Bettina Westfeld, beleuchtete den geschichtlichen Hintergrund, der mit der Gleichschaltung der kirchlichen Strukturen nach dem Führerprinzip begann, bevor es nach 15 Jahren auch wieder einen synodalen Neuanfang gab. Dieser Neubeginn sei hinsichtlich organisatorischer Fragen nicht einfach gewesen. So hätten die Synodalen ihr Essen selbst mitbringen und nach Möglichkeit Papier besorgen müssen, fand Westfeld heraus.

Sie erläuterte auch, dass die Landeskirche - nach ihrer ideologischen Spaltung in Deutsche Christen, Mitte und die Bekennende Kirche während der Nazizeit - zu Kriegsende ohne Leitung gewesen sei. So dauerte es drei Jahre, in denen zunächst Präsident Erich Kotte das zerstörte Landeskirchenamt übernahm, Landessuperintendent Franz Lau die geistliche Leitung innehatte und 1947 die neuen Kirchenvorstände eingeführt wurden, bevor im Februar 1948 in 20 Wahlkreisen die Wahl zur Landessynode stattfinden konnte.

Auf ihrer ersten Sitzung der 60 gewählten und 14 berufenen Mitglieder der Synode am 5. April 1948 wurde die 16. Synode von 1933, die sich selbst auflöste und als „Braune Synode“ bezeichnet wird, in der Zählung getilgt. 1948 wurde in der „neuen“ 16. Synode der Gewerkschaftler und Dresdner CDU-Politiker Reimer Mager zum Präsidenten gewählt.

Die 16. Landessynode hatte es bis zum Ende der Legislatur mit schwerwiegenden Themen zu tun. In dieser Zeit war der von der Bekennenden Kirche geprägte Hugo Hahn Landesbischof (1947-1953). 1950 trat die Kirchenverfassung in Kraft. Die politische Lage mit den Auswirkungen von Enteignungen, die Sicherung der Kirchenzeitung DER SONNTAG, die Stadtflucht von Pfarrern bis hin zum Kirchenkampf 1953, der insbesondere die Evangelische Jugend betraf, bestimmte neben zahlreichen Kirchengesetzen die Arbeit.

Es ist ein hohes Gut und nicht selbstverständlich, frei und offen in einem demokratischen Prozess unserer Kirche zu dienen.

Synodalpräsident Otto Guse

Die musikalische Begleitung des Gedenkens mit Werken von J.S. Bach in der Fassung für zwei Violinen und Orgel übernahm das Trio Barbara Tzschoppe, Alexander Bersutsky und Udo Löser. Der Abend mündete in einen Stehempfang im Foyer.

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