27. Landessynode - Frühjahrstagung 2019

Freitag, 5. April 2019

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Andacht zu Beginn der Frühjahrstagung

Zu Beginn der Frühjahrstagung kamen die Synodalen in der Dreikönigskirche zu einer Andacht mit Abendmahl zusammen. Pfarrer Uwe Kranz (Mittweida) ging in seiner Andacht auf die Geschichte von Jakobs Ringkampf am Fluss Jabok ein, aus der die Tageslosung entstammt. Mit dieser Geschichte hätten sich jüdische und christliche Gelehrte über Jahrtausende hin beschäftigt, dementsprechend zahlreich seien die Auslegungen dazu. Auf einige davon ging Pfarrer Kranz in seiner Andacht kurz ein. 

Neben jüdischen Gelehrten des Mittelalters hätten sich auch in der neueren Geschichte jüdische Intellektuelle mit der Deutung des Ringkampfes von Jakob beschäftigt - so die jüdische Dichterin Nelly Sachs in Form eines Gedichtes, welches vor dem Hintergrund der Erfahrungen Shoa entstand. Martin Luther formulierte einen eigenen Dialog zu dieser Geschichte und auch Dietrich Bonhoeffer fand in seiner Zeit im Gefängnis Bezüge zum Ringen des Jakob. Pfarrer Uwe Kranz schloss den Exkurs in verschiedene Auslegungen der Geschichte mit einem Bezug zum Leben heutiger Christen. Jedem Christen stünden Momente vor Augen, in denen sie mit Gott und dem Glauben gerungen habe, in denen er mit eigenen Zweifeln und menschlichen Schwächen ringen müsse. In diesen Momenten sei es ein Geschenk, dass man wie Jakob um den Segen bitten könne.  


Eröffnung der Synodaltagung und Arbeit in den Ausschüssen

Nach der Morgenandacht eröffnete Synodalpräsident Otto Guse die Frühjahrstagung und erläuterte einige Neuerungen in der Organisation der Tagung. Außerdem wies er darauf hin, dass beginnend mit dieser Tagung auch Vorlagen und Beschlüsse der Landessynode zeitnah innerhalb der Sitzungstage im Internet veröffentlicht werden. Im Anschluss nahmen die 80 Synodalen die Beratungen in den Ausschüssen auf, die bis zum Abend andauern werden.

 

 


Mediengespräch zum Synodenauftakt

Vor den Medien erläuterte Synododalpräsident Otto Guse den Verlauf der Synode, insbesondere die Behandlung der beiden Kirchengesetze, aber auch die Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung. So werde ein neues Konzept erprobt, inwieweit Vorlagen und Drucksachen online bereitgestellt und abgerufen werden können. In der laufenden Verhandlung werde dann ersichtlich, welche Beschlüsse daraus erfolgen.

Christoph Apitz, Vorsitzender des Ad-hoc-Ausschusses Kirche und Diakonie, stellte das novellierte Diakoniegesetz vor. Das Diakonische Amt in Radebeul sei nun nicht mehr eine selbstständige Dienststelle des Landeskirchenamtes, sondern ausschließlich die Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes. Die formale Trennung solle aber nicht bedeuten, dass die Diakonie nicht mehr Wesens- und Lebensäußerung der Kirche und damit mit ihr eng verbunden sei. So werde eine Verschränkung durch die Mitgliedschaft von Kirchenbezirken angestrebt, was eine Änderung für die Kirchenbezirke notwendig mache. Der Chef der Diakonie bleibe dienstrechtlich Pfarrer der Landeskirche, agiere aber als Vorsitzender des Vorstandes in der Geschäftsstelle in fachlicher Verantwortung gegenüber dem Verein und den Gremien (Diakonische Konferenz) des Diakonischen Werkes. Zudem solle der Vorsitzende auch stimmberechtigtes Mitglied in der Kirchenleitung werden.

Kerstin Göpfert, seit zwei Monaten Referentin für den „Ökumenischen Weg für Konfliktlösung (Frieden), Chancengleichheit (Gerechtigkeit) und Nachhaltigkeit (Bewahrung der Schöpfung)“, unterstützt das Anliegen der Landessynode, den Konziliaren Prozess von vor 30 Jahren aufzugreifen und den Themen der Gegenwart gegenüberzustellen. Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) habe sich dem Anliegen genauso angeschlossen wie die Beauftragten der Landeskirche (Kirchliche Entwicklungsdienst, anders wachsen, faire Beschaffung u.a.). Auf einer Internetseite sollen Impulse und Beispiele von Projekten in den Kirchgemeinden vorgestellt werden. Zudem diene die Stelle und das Portal als Börse, um Experten für Vorträge anfragen zu können. Am 20. November sei ein Festtag in Dresden zu 30 Jahre Ökumenische Versammlung geplant. Hier verbinde Frau Göpfert die Hoffnung, dass hier u.a. eine Plattform für Akteure der gegenwärtigen „Fridays for Future“ entstehen könne. Wichtig bleibe, „das Tun vor Ort ist der Baustein für das Große und Ganze“.

Ebenfalls auf einen Beschluss der Landessynode ging der Auftrag an das Landeskirchenamt hinsichtlich der Erarbeitung einer Digital-Strategie zurück. Die Leiterin der Stabsstelle Kommunikation und Koordination, Kirchenrätin Tabea Köbsch, erläuterte die ersten Überlegungen, die es bisher dazu in einer Arbeitsgruppe gibt. Neben der Einordnung der Digitalisierung vor dem Hintergrund des Auftrages der Kirche würden nun besondere Handlungsfelder in einem Zwischenbericht der Arbeitsgruppe benannt. Es sei erforderlich, die Komplexität des Themas wahrzunehmen und gleichzeitig konkrete Bedarfe zu ermitteln. Eine Digitalstrategie und einzelne Lösungen müssten sich an diesen Bedarfen orientieren.  Deshalb spiele die Mitwirkung der Kirchgemeinden eine große Rolle. Es bedarf des „hörenden Ohres an der Basis“, denn hier würden sich die strukturellen Veränderungen in der Fläche vollziehen und digitale Möglichkeiten der Zusammenarbeit gebraucht. Dennoch beginne die Landeskirche ja nicht bei null, so Köbsch. Es gebe bereits viele digitale Anwendungen, weitere seien in Erarbeitung. So zum Beispiel auch das Angebot eines Webbaukastens, der demnächst auch für Kirchgemeinden der Landeskirche zur Verfügung stehen werde.


Bericht der Kirchenleitung

Am Abend folgte die Vorstellung des Berichtes der Kirchenleitung durch Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz. Er hatte „Kirchenbilder im Wandel“ zum Thema. In vier Kapiteln spürt der Bericht den Wandlungserfahrungen innerhalb der christlichen Kirche nach, die sich anhand verschiedener Transformationen und Spannungsfelder aufzeigen lassen. So haben sich in den letzten Jahren tiefgreifende Veränderungen in schnellem Tempo vollzogen, die dringend theologisch und ekklesiologisch reflektiert werden müssten, so Pilz. Die Gestalt und Struktur von Kirchgemeinden ändere sich, die diakonischen Strukturen befänden sich in Umbrüchen, das Selbstverständnis und die Aufgaben von Ehrenamtlichen sowie der Hauptamtlichen wandelten sich und dies alles geschehe unter einem enormen Druck demografischer und gesellschaftlicher Veränderungen und schwindender finanzieller Mittel. Hinzu kämen neue Ansprüche an Verwaltung sowie mit neuen Kommunikationsmöglichkeiten und veränderten Diskurskulturen auch neue Anforderungen an kirchenleitendes Handeln. All diese Wandlungsprozesse machten die Notwendigkeit einer soziologischen Einordnung, einer theologischen Reflexion und einer geistlichen Orientierung deutlich. Dies umso mehr in einer ostdeutschen Landeskirche, die "in einer historisch geradezu analogielosen und epochalen Weise Transformationserfahrungen gesammelt" habe, so Pilz. Diese Prozesse, die stattgefundenen Anpassungsleistungen und die in ihnen errungenen Kompetenzen seien viel zu wenig gewürdigt wurden. Dies gelte auch für die schmerzhaften Verluste und daraus erwachsenen Bedürfnisse nach Stabilität und Beheimatung. Beispielhaft erläutert Pilz diesen Wandel an den Veränderungen im Evangelischen Pfarrhaus. Weiter geht er auf den Wandel als biblisches Leitmotiv ein.

Soziologisch könne man zwischen drei Kirchenbildern sprechen: Kirche als Bewegung, Kirche als Institution und Kirche als Organisation. Dabei sei die Urform von Kirche die Bewegung einer Gruppe von Menschen gewesen und auch die Erneuerung von Kirche geschah immer wieder aus Bewegungen heraus, nicht zuletzt die Entstehung der evangelischen Kirche aus der reformatorischen Bewegung heraus. Deshalb stehe die Institution Kirche gerade in der protestantischen Kirche immer wieder in der Kritik. Es sei daher notwendig, die "Schönheit von verfasster Kirche" und ihre stabilisierenden Funktionen in Zeiten des Wandels neu in den Blick zu nehmen. Für die immer wieder herzustellende Balance zwischen Bewegung und Institution führt Pilz das Bild einer Membran ein, die durchlässig, filternd, stützend, trennend wirkt. 
Das Kirchenbild der Volkskirche, welches anhand der schwindender Kirchenmitglieder nicht mehr funktioniere, sollte aber als qualitativer Begriff verstanden und dahin gewandelt werden. Die Frage nach der eigentlichen Form von Kirche zeigt sich an der Spannung zwischen Ortsgemeinde und übergemeindlichem kirchlichen Handeln, die aktuell wieder deutlich zutage trete. Es gelte daher daran zu erinnern, dass Ortsgemeinde ganz Kirche, aber nicht die ganze Kirche sei. Dies gelte ebenso im ökumenischen Kontext. In einem Ausblick macht Pilz deutlich, dass das Bild einer pilgernden Kirche möglicherweise für die Gegenwart und Zukunft ein Bild der Orientierung sein könne. 
Nach diesem Bericht erfolgte eine öffentliche Aussprache zu den Inhalten des Berichtes.


Abend der Begegnung mit der SPD-Fraktion

In einem von der Dreikönigskirche gegenüberliegenden Café hat die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag am späteren Abend zu einer Begegnung eingeladen. Begrüßt wurden die Mitglieder der Landessynode von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Hanka Kliese, die in der Partei auch Sprecherin für Inklusion, Kulturpolitik und Erinnerungskultur ist. Sie habe vor der Synodaltagung viel über Kirche gelesen, aber auch in Artikeln Plädoyers für eine stärkere Trennung von Staat und Kirche. Bei allem Verständnis für unterschiedliche Haltungen bliebe die Frage, „was kommt dann?“.

Sie habe in Chemnitz die Kirche mit einer eigenen Meinung kennengelernt, zudem im sozialen Bereich mit Engagement für Geflüchtete und für Menschen mit Behinderung. Für sie persönlich bedeute Kirche am Sonntag eineinhalb Stunden Zeit und Ruhe ohne die Alltagsthemen, Handy und Erreichbarkeit. Da müsse und dürfe man zuhören. Menschen aus unterschiedlichen Berufen und unterschiedlicher Herkunft kommen zusammen und hören. Das Zuhören im Alltag fehle dagegen zunehmend. Trotz Unterschiede sehe sie sich geeint in einem positiven Menschenbild. Sie erhalte Kraft aus dem Gottvertrauen, so die Politikerin.

Für Martin Dulig, stellvertretender Ministerpräsident und Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, gehe es nicht nur um das Gespräch, sondern auch um die Vergewisserung des eigenen Wegs. Das Leben spiele sich zunehmend in Parallelwelten ab. Wir lebten in einer Zeit der Ökonomisierung und folgten den Megatrends. Das verunsichere die Menschen, denn Neues könne Ängste wecken. Daher komme es darauf an, in den Veränderungen Sicherheiten zu suchen, so dass es gut und gerecht werde, so Dulig. Da seien die Politik und die Kirche gleichermaßen gefragt.

Das werde insofern dringlicher, da sich angesichts der Wahlen die Frage stelle, „was passiert in Sachsen?“. Das sei keine Haltung der Resignation, denn „es liegt immer noch in unserer Hand“, ist Dulig überzeugt. Dafür müsse man sich aber engagieren und das Erreichte verteidigen und Spaltungen und Trennungen nicht zulassen. In Gesprächen dürfe es daher nicht dazu kommen, dass es heißt, „über Politik reden wir nicht“. Spaltungen würden kein Problem lösen. Die Demokratie sei Kompromiss, nicht die Bestellung und Erfüllung individueller Wünsche. Das sei eine Überforderung. So müsse man im positiven Streit bleiben und die Diskussion nicht denen überlassen, die schlechtes wollen.

Synodalpräsident Otto Guse bedankte sich für die Möglichkeit des gemeinsamen Gesprächs. Er habe den Eindruck, dass viel darüber geredet werde, was nicht klappen würde oder „defizitär“ sei. Wir müssten sagen, was klappt. Das gelte auch im Zusammenhang mit strukturellen Veränderungen in der Landeskirche. Erfolge sollten nicht kleingeredet werden, aber auch hier gelte, „von uns kann nichts Unmögliches verlangt werden.
Bezogen auf Entwicklungen im Freistaat wies Guse darauf hin, die Verwaltung zu stärken und sich rechtzeitig um junge Menschen in Verwaltung und Justiz zu bemühen. Er warnte davor, die Entwicklungen und damit die zukünftigen Aufgaben zu ignorieren, wenn in zehn Jahren viele Juristen den Ruhestand antreten. Es gehe jetzt darum, übrigens auch in der Kirche, junge Leute zu fördern.

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