27. Landessynode - Frühjahrstagung 2017

Freitag, 31. März 2017

Andacht in der Dreikönigskirche, Arbeit in den Ausschüssen und Gespräch mit Medienvertretern

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Andacht in der Dreikönigskirche

Zu einer Andacht im Kirchenraum der Dreikönigskirche trafen sich am Freitagmorgen die Landessynodalen und die an der Frühjahrstagung teilnehmenden Mitarbeiter des Landeskirchenamtes vor Eröffnungsbeginn. Der Synodale, Pfarrer Ravinder Salooja, Direktor des Evangelisch-Lutherischen Missionswerkes Leipzig und die Synodale, Pfarrerin Eva Gorbatschow aus Mildenau, gestalteten die Andacht liturgisch.

Zum Abschluss versammelten sich die Besucher im Altarraum zum gemeinsamen Abendmahl, bevor die Sitzung im Sitzungssaal begann.

Eröffnung der Tagung, Eingänge und Mitteilungen

Synodalpräsident Otto Guse eröffnete die diesjährige Frühjahrstagung der 27. Landessynode im Großen Saal im ‚Haus der Kirche‘. Als Synodaler wurde Andreas Schlesiger aus Hirschfeld bei Zwickau neu durch Präsident Guse verpflichtet. Danach begann für die 80 Landessynodalen die Arbeit in den sechs ständigen Ausschüssen.

Vor Medienvertretern erläuterte Präsident Guse den Programmverlauf der Synodaltagung, in der neben der Themenarbeit auch „erhebliche“ Fragen zur Strukturreform in der Diskussion seien.
Er hoffe, dass die unterschiedlichen Kenntnisstände im heutigen Plenum am Spätnachmittag auf „den gleichen Stand“ gebracht werden können.

Für Landesbischof Dr. Carsten Rentzing sei die Stimmungslage „offenkundig“. Er erhielt wegen der Strukturpapiere etliche Anfragen, die er nicht nur formal zur Kenntnis nehme. Er verstehe die Sorgen der Kirchgemeinden, ob sie auch in Zukunft aktionsfähig bleiben könnten. Es werde nichts bis ins Einzelne geregelt und vorgegeben, sondern nur das „Skelett, das mit Fleisch gefüllt werden muss“. Die Form des Kirchspiels gebe hier Raum zur Gestaltung. Er wünsche sich, „dass wir gestärkt aus der Synode gehen“.

Auch der Gemeindeaufbau-, Missions- und Diakonieausschuss, und damit die Landessynode, erhielt zahlreiche Post, sagte der Ausschussvorsitzende Pfarrer Jörg Hänel aus Frankenberg. In diesen Eingaben würden die Vorstellungen aber sehr auseinandergehen. Hier überwiege die Sorge um den Verlust der Eigenständigkeit und des Gestaltungsraums der Gemeinden. Die Not sei aber „geistlicher Art“, der man nicht nur strukturell begegnen könne.

 Für Pfarrerin Dr. Ines Mory, Vorsitzende des Bildungs- und Erziehungsausschuss stehe natürlich der Thementag mit dessen Spektrum von theologischer, soziologischer und pädagogischer Ausrichtung im Vordergrund. Die Erarbeitung der Bildungskonzeption initiierte zugleich die Fortschreibung der Inhalte. Dr. Mory ging auf Veränderungen gegenüber der traditionellen Bildungsarbeit ein, beispielsweise bezogen auf Migration und Seniorenarbeit. Aus den Workshops sollen „konkrete Ideen“ entwickelt, protokolliert und für die Weiterarbeit zur Verfügung stehen.

Öffentliche Beratung zur Strukturplanung

Nach den Ausschusssitzungen fand sich die Landessynode am späten Nachmittag zusammen und startete in die erste öffentliche Beratung zur Strukturplanung. Die Vizepräsidentin Bettina Westfeld stellte zunächst rückblickend die Entwicklung der Strukturdebatte in der sächsischen Landeskirche vor, die seit 2010 durch Landessynode und Kirchenleitung maßgeblich mitbestimmt wurde.

Synodalpräsident Otto Guse äußerte sich anschließend zu den Grundlagen, auf denen die Landessynode nun mit den vorliegenden Strukturbeschlüssen der Kirchenleitung umgehen kann und sollte. Er verwies dazu auf die in der Kirchenverfassung festgelegten Aufgaben von Kirchenleitung und Landessynode.

Bettina Westfeld ging erneut auf die Kritik an der Strukturplanung und dem Papier „Kirche mit Hoffnung“ ein. Sie machte deutlich, dass die Prognosen der Mitgliederentwicklung von den kirchenleitenden Gremien nicht zu ignorieren sei, sondern dass konkreter Handlungsbedarf bestehe. Auch im Blick auf die Bedingungen, in denen Menschen in den Gemeinden der Landeskirche arbeiten würden, bestehe Handlungsbedarf, um diese Arbeit zufriedenstellend und auskömmlich zu gestalten. Der Synode obliege nun die Verantwortung, die rechtlichen Voraussetzungen für alle notwendigen Veränderungen zu schaffen.

In der anschließenden Debatte wurde deutlich, dass Kürzungen in jedem Falle unausweichlich seien, zunächst ganz unabhängig von den Strukturen, in denen dies geschehe. Das Anliegen der vorliegenden Strukturplanung sei es aber, für diese Kürzungsprozesse eine stabile Struktur zu schaffen. Viele Synodale berichteten in diesem Zusammenhang von Erfahrungen vor Ort.

Kritisiert wurden in diesem Zusammenhang die Koppelung von Stellenkürzungen und Strukturveränderungen sowie der zeitliche Druck, unter dem beides nun erreicht werden solle. Auch der Umgang mit vakanten Pfarrstellen wurde thematisiert und erläutert, warum größere Strukturen auch für hauptamtlich Mitarbeitende sinnvoll sein können. Mehrere Synodale wünschten sich mehr Flexibilität in den Strukturen. Auch eine Entkoppelung von Stellen und Strukturen wurde als Möglichkeit angesprochen.

Bericht der Kirchenleitung mit anschließender Aussprache

Der diesjährige Bericht der Kirchenleitung wurde von Oberlandeskirchenrat Dr. Peter Meis vorgetragen und hatte das Thema: „Wir sind so frei!“ Reformation und kirchenleitendes Handeln. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Lage fragt der Bericht nach dem Selbstverständnis, welches kirchenleitendes Handeln heute trägt.

Anlass dazu sind Beobachtungen, dass die Verbindlichkeit kirchenleitender Beschlüsse auf Kirchenbezirks- und Kirchgemeindeebene nicht oder nur teilweise erreicht werde. Diese Situation innerhalb der Landeskirche sei ebenfalls im gesellschaftlichen Umfeld zu beobachten. Auch hier würden Spannungen zwischen der Bevölkerung einerseits und den beschlussfassenden Gremien andererseits zunehmen. Beschlüsse der Legislative oder Entscheidungen der Exekutive würden nicht von allen ernst genommen.

Die Kirchenleitung stellt fest: „So sehen wir sowohl in unserem Land als auch in unserer Kirche mit Sorge, wenn demokratische Verfahren, ausgleichende Regelungen oder Gremien grundsätzlich in Frage gestellt werden.“ Der Bericht beziehe sich jedoch auch auf biblische Grundlagen und auf wichtige reformatorische Kerneinsichten, die ihren strukturellen Ausdruck in der Organisationsform unserer Kirche finden, so Dr. Meis. Am Ende des Berichts werden Konsequenzen für das Handeln als Kirchenleitung und für den Weg der Landeskirche aufgezeigt.

Im Anschluss an den Vortrag würdigten die Synodalen den Bericht zu diesem wichtigen Thema und diskutierten ihn sehr rege.

Im Anschluss an die Diskussion zum Kirchenleitungsbericht wurde die Aussprache zur Strukturplanung fortgesetzt. Es wurde darauf hingewiesen, dass bei kleinteiligen Gemeindestrukturen die geistliche Leitung nicht mehr durch wenige hauptamtliche Pfarrer und Pfarrerinnen wahrgenommen werden könne. Aus dem Bereich der Krankenhausseelsorge wurde angemerkt, dass die Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit der Kirche nicht von Strukturen abhänge, sondern vielmehr von persönlichen Begegnungen, öffentlichen Wortmeldungen und der Begleitung in bestimmten Lebenssituationen.



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