27. Landessynode - Sondertagung zur Bischofswahl (Berichterstattung)

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Alle Informationen zur Wahl der Bischöfin / des Bischofs im Überblick

Samstag, 29. Februar 2020

Tobias Bilz zum Landesbischof gewählt

Nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses fragte Synodalpräsident Otto Guse den gewählten Kandidaten, ob er die Wahl annehme. Tobias Bilz antwortete: „Ja, ich nehme die Wahl an.“ Synodalpräsident Otto Guse bedankte sich im Namen der Landeskirche bei Ulrike Weyer und Andreas Beuchel für die Bereitschaft zur Kandidatur. Er gratulierte gemeinsam mit dem Präsidenten des Landeskirchenamtes dem neu gewählten Landesbischof zur Wahl. 

Tobias Bilz richtete das Wort an die Landessynode. Er sagte: "Ich bin bewegt und danke der Landessynode für dieses große Vertrauen. Ich sehe dies als Zeichen, dass wir zusammen stehen werden als Kirche. Aber Vertrauen muss auch weiter wachsen.“

Die Anliegen seiner Mitkandidaten habe er im Blick, sagte Bilz weiter. In den letzten Wochen während der Kandidatur sei ein Verbundenheitsgefühl zu seinen Mitkandidaten Ulrike Weyer und Andreas Beuchel entstanden, welches er gern weiter mitnehmen möchte. Tobias Bilz dankte aber auch allen, die in der Zeit der Vakanz im Bischofsamt die Kirche geführt und diese Bischofswahl organisiert hätten. Es sei etwas gewachsen in den letzten Monaten, das ein Boden für Neues sein könne. Er schloss mit einem Bibelwort und einem Gebet.

Interview nach der Wahl zum Landesbischof


Wahl im 3. Wahlgang

Vor Beginn des dritten Wahlgangs informierte Otto Guse die Landessynode darüber, dass im dritten Wahlgang die absolute Mehrheit aller abgegebenen Stimmen ausschlaggebend sei. Am dritten Wahlgang nahmen 79 stimmberechtigte Synodale teil. Nach der Auszählung der Stimmen verkündete Otto Guse das Wahlergebnis um 16:05 Uhr: Auf Andreas Beuchel entfielen 15 Stimmen, auf Tobias Bilz 48 Stimmen und auf Ulrike Weyer 16 Stimmen. Es gab  keine Enthaltungen und keine ungültigen Stimmen.

Damit wurde Tobias Bilz im dritten Wahlgang zum neuen Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens gewählt.


2. Wahlgang

Im zweiten Wahlgang gaben 79 Synodale ihre Stimme ab. Synodalpräsident Guse verkündete das Ergebnis des zweiten Wahlgangs um 12:49 Uhr. Für Andreas Beuchel stimmten 18 Synodale, für Tobias Bilz 41 Synodale und Ulrike Weyer erhielt 20 Stimmen von Synodalen. Es gab keine Enthaltungen und keine ungültigen Stimmen. 

Da auch im zweiten Wahlgang keiner der Kandidaten die erforderliche Zweidrittelmehrheit von 53 Stimmen erreicht hatte, kündigte Synodalpräsdent Guse den dritten Wahlgang für 15:49 Uhr an, in dem dann die Mehrheit der abgegebenen Stimmen benötigt wird zur Wahl eines Landesbischofs bzw. einer Landesbischöfin. 


1. Wahlgang

Um 9:00 Uhr begann die öffentliche Plenarsitzung mit dem Bericht des Wahlprüfungsausschusses. Danach wurden die Stimmzettel für den ersten Wahlgang ausgeteilt. Im ersten Wahlgang waren 79 Synodale stimmberechtigt.

Auf Andreas Beuchel entfielen 26 Stimmen, auf Tobias Bilz 33 Stimmen und auf Ulrike Weyer 19 Stimmen. Es gab eine Enthaltung. Die Zwei-Drittel-Mehrheit wurde damit nicht erreicht. Der zweite Wahlgang beginnt 12.28 Uhr. 


Andacht und Beginn der Wahl zum Bischofsamt

Nach einer Gebetsgemeinschaft im Haus der Kirche (Dreikönigskirche) am Samstagmorgen kamen die Mitglieder der Landessynode, Vertreter des Landeskirchenamtes und weitere Teilnehmende im Kirchenraum  zu einer Andacht mit Abendmahl zusammen. Die musikalische Begleitung übernahmen der Synodale Christian Kühne, Kirchenmusikdirektor aus Löbau, und ein Posaunenchor. 

Die Andacht leiteten die Synodalen Pfarrerin Yvette Schwarze und Dr. Uwe Gerd Liebert. Im Mittelpunkt stand die Tageslosung "Ich will euch retten, dass ihr ein Segen sein sollt." (Sach 8,13). Yvette Schwarze und Uwe Gerd Liebert stimmten die Synodalen auf die Wahlhandlungen des Tages ein. So wie der Prophet Sacharja das Volk Israel ermutigt habe, so könne dieser Losungstext auch heute noch ermutigen. Gottes Geist stärke Christen, gebe Kraft für die Aufgaben in dieser Welt und ermutige, Gottes Spielregeln in diese Welt einzubringen. Der heutige Tag, der 29. Februar, sei ein geschenkter Tag. Den Menschen werde nur aller vier Jahre 24 Stnden zusätzliche Lebenzeit geschenkt. Der Tag und die heute für die Synode damit verbundenen Aufgaben seien ein Geschenk, dass verantwortlich genutzt werden sollte.


Impressionen vom Samstag, 29. Februar 2020


Freitag, 28. Februar 2020

Andacht und Eröffnung der Tagung

Zur Andacht zu Beginn der Sondertagung versammelten sich die Synodalen am Abend in der Dreikönigskirche. Die Andacht wurde gestaltet durch die Jugendvertreter in der 27. Landessynode. Der Jugendvertreter Thomas Linke erinnerte in seiner Andacht an die letzten Monate: Die Wahlen in Sachsen, Deutschland und der Welt, die schlimmen Ereignisse wie in Halle und Hanau, den warmen Winter und die Buschbrände in Australien. Vieles sei beunruhigend. Und dann erinnert er an das Bibelwort Römer 12, in dem Paulus der Gemeinde in Rom schreibt: Stellt auch nicht mit der Welt gleich. Dieses Wort mache die Welt nicht schlecht, sondern mahne vielmehr die Christen zur Distanz zur Zeit und Welt an. Gerade in unruhigen Zeiten sei dieses Wort auch heute hilfreich. 

Das Bischofsamt sei kein politisches, sondern ein geistliches Amt. Ein Bischof bzw. eine Bischöfin spreche für die Kirche in die Welt und leite die Kirche im geistlichen Miteinander. Dies zeige sich auch daran, wie man in dieses Amt gelange. Man könne sich eben nicht dafür bewerben, sondern könne nur von anderen vorgeschlagen werden. Der gemeinsame Glaube an Gott sie das, was Christen in der Gemeinschaft zusammenhalte, so Linke. Es sei Aufgabe der Christen, immer wieder nach dem Willen von Gott zu fragen und für das einzutreten, was sie als gut und richtig erkannt haben. Das Fragen nach dem Willen Gottes und das Entscheiden, wer neuer Landesbischof oder neue Landesbischöfin werde, das sei nun eine Aufgabe der Synodalen. Dafür erbat die Landessynode mit Gebet und Gesang Gottes Geist und Beistand. Vor der Fürbitte gedachten die Synodalen in einer stillen Minute dem im November letzten Jahres verstorbenen ehemaligen Präsidenten des Landeskirchenamtes, Hans-Dieter Hofmann.

Nach der Andacht eröffnete Otto Guse die Sondertagung der Landessynode. Er begrüßte Kandidaten, Synodale und Gäste und bat einen neuen Synodalen nach vorn. Superintendent Harald Pepel, der von der Kirchenleitung für den ausgeschiedenen Superintendenten Arnold Liebers für diese Sondertagung nachberufen worden war, legte vor der Synode sein Gelöbnis ab.

Otto Guse erläuterte den Ablauf des Abends und kündigte an, dass die Vorstellung der Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge erfolgen wird. Danach werden sich alle drei Kandidaten in einem 15minütigen Impuls zu einem selbstgewählten Thema vorstellen und direkt im Anschluss für weitere fünfzehn Minuten zum Gespräch mit der Landessynode zur Verfügung stehen. 


Die drei Kandidaten stellen sich vor

Andreas Beuchel stellte seinen Impuls vor der Landessynode unter das Bibelwort „Einer komme dem anderen durch Ehrerbietung zuvor.“ (Römer 12, 10). Er plädiert dafür, dass unterschiedliche Meinungen zu ethischen Themen die Einheit der Kirche nicht gefährden dürften. Kirchliche Verkündigung müsse verstehbar sein, um in dieser Zeit missionarisch wirken zu können. Der Umgang in der Kirche sollte von gegenseitigem Respekt und Ehrerbietung geprägt sein. 

Tobias Bilz stellt seinen Impuls unter das Bibelwort „Ertragt einer den anderen in Liebe und seid dabei bedacht zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Frieden.“(Epheser 4, 2) und das Thema „Wir sind eine Kirche der Einheit in Vielfalt“. Kirche sieht er als Organismus an, für den Bewegung lebensnotwendig ist. Und er vergleicht die Kirche mit einer Familie, in der es Streit geben könne und dennoch die Gemeinschaft nicht in Frage gestellt werde. 

Ulrike Weyer stellt ihren Vortrag unter das Thema „Teilhabe als Sehnsucht“. Sie formuliert diese Teilhabe in drei Schritten: die Teilhabe an Gott, die Teilhabe an der Gemeinschaft und die Teilhabe an der Gesellschaft. Sie wünscht sich Formate für Gespräche, die Vertrauen und Kommunikation in der Kirche wachsen lassen. Sie erwähnt den schmerzhaften Bedeutungsverlust der Kirche und plädiert für Mut und Ideen. In der Gesellschaft sollte Kirche das groß machen, was dem Leben dient. 


Podiumsgespräch

Das Podiumsgespräch mit den drei Kandidaten wird von der ehemaligen Synodalpräsidentin Gudrun Lindner moderiert. Sie stieg ein mit einer direkten Frage an die Kandidaten und die Kandidatin. 

An Andreas Beuchel richtete sie die Frage, ob er im Falle der Wahl ein medienaffiner Bischof sein werde. Er antwortete, dass er keine Angst vor einer Kamera habe und Erfahrungen gesammelt habe mit einer lebensnahen Verkündigung in einer verständlichen Sprache. Bei Tobias Bilz erwähnte Gudrun Lindner seine drei unterschiedlichen Impulse an den drei Vorstellungsabenden, die jeweils ein anderes Bild von Kirche zeichneten. Sie fragte Tobias Bilz, ob er als Bischof weiter ein Geschichtenerzähler sein werde. Dieser bejahte die Frage und erklärte, dass er sehr gern Erfahrungen und Bilder aus dem Leben verwende, um Glaubensthemen in den Alltag der Menschen zu übersetzen. An Ulrike Weyer stellte Gudrun Lindner die Frage, ob sie eine hochkirchliche Bischöfin sein werde, nachdem sie in den Vorstellungsabenden das Wort „heilig“ sehr oft verwendet habe. Ulrike Weyer macht in ihrer Antwort deutlich, dass ihr dieses Wort sehr viel bedeute, aber sie deshalb nicht hochkirchlich sei. 

Weiter zitierte Gudrun Lindner die Anforderungen an einen Gemeindeleiter nach Timotheus und initiierte damit ein Gespräch darüber, welche Eigenschaften ein Bischof oder eine Bischöfin haben sollte. Die Kandidaten erläuterten, wie sie persönlich mit den Erwartungen an dieses Amt umgehen werden.

Der zweite Themenbereich thematisierte die Aufgaben des Landesbischofs bzw. der Landesbischöfin nach der Verfassung. Gudrun Lindner zitierte diese Aufgaben und erbat von den Kandidaten eine Einordnung dieser Aufgaben. Die Kandidaten erläuterten aus ihrer Perspektive, wie sie diese Aufgaben sehen und wo sie Prioritäten setzen wollen. Weiter fragte Gudrun Lindner nach, wie sich die Kandidaten vorstellen, dass man aus dem Evangelium heraus eine Stellungnahme zu Themen der Zeit herbeiführen könne, wie es in der Verfassung als bischöfliche Aufgabe beschrieben ist. Die Kandidaten waren sich einig, dass dies nur im Zusammenwirken mit Kollegen und Gremien der Landeskirche geschehen könne. 

Im vierten Themenbereich fragte die Moderatorin nach der Bedeutung der christlichen Friedensethik und ihrer praktischen Umsetzung in der Landeskirche. Hier betonten die Kandidaten insbesondere die große Verantwortung, aber auch die wunderbare Möglichkeit, als Kirche den Frieden und das friedliche Miteinander vorzuleben. Der fünfte Themenbereich thematisierte mit der Frage des Schwangerschaftsabbruchs ein ethisches und diakonisches Thema, zu dem die Kandidaten Stellung nahmen. Zum Schluss kam eine schwergewichtige theologische Frage zur Sprache: Die nach dem Verständnis der Bibel als Gottes Wort. Die drei Kandidaten erläuterten hierzu ihr theologisches Verständnis.

Im letzten Teil ging es zunächst um die ganz praktischen Arbeitsfelder im Bischofsamt, die neben geistlichen Fragen eben auch strukturelle Themen, gesellschaftliche Entwicklungen und tagesaktuelle Geschehnisse umfassen. Die Kandidaten erläuterten ihre Herangehensweise an diese vielen Aufgaben. Zum Schluss stellte Gudrun Lindner die Frage, wie die Kandidaten die EKD und VELKD wahrnehmen und welche Bedeutung das lutherische Profil haben sollte. Die Kandidaten machten auf unterschiedliche Weise ihre Liebe zur lutherischen Tradition deutlich. 


Impressionen der Sondertagung

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