27. Landessynode - Sondertagung zur Präsidentenwahl (Berichterstattung)

Freitag, 25. Januar 2019

Andacht in der Dreikönigskirche

Mit einer Andacht in der Dreikönigskirche begann die Sondertagung der 27. Landessynode zur Wahl einer neuen Präsidentin / eines neuen Präsidenten des Landeskirchenamtes. Gestaltet wurde die Andacht von Superintendent Martin Henker und Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger an der Orgel. Superintendent Henker stellte seine Andacht unter den Wochenspruch: "Von seiner Fülle habe wir alle genommen Gnade um Gnade." (Johannes 1,16).  Diese Fülle Gottes könne man heute vielleicht mit Spiritualität übersetzen, so Henker in der Andacht.  Unseren Glauben, dass Gott in Christus in unsere Welt gekommen ist, gelte es zu verkündigen und zu vertreten. Und an noch etwas anderes erinnere der Wochenspruch uns: Gott kommt in Gnade zu uns. Diese Gnade zu verkündigen, täglich im Handeln zu bezeugen und dafür in der Welt einzutreten, sei uns ebenfalls aufgetragen. Zum Abschluss der Andacht erbat er Gottes Segen für die Tagung und die anstehende Wahl. 


Eröffnung der Sondertagung, Vereidigung des Synodalen Christian Kühne

Zur Eröffnung der Sondertagung informierte Synodalpräsident Guse über Mitteilungen und Eingänge. Gleich zu Beginn begrüßte er den neuen Synodalen Christian Kühne, der in Nachfolge für die ausgeschiedene Synodale Anne-Doreen Reinhold am 11. Januar 2019 von der Kirchenleitung als Kirchenmusiker in die Landessynode berufen, und nahm ihm das Gelöbnis nach § 22 Abs. 1 der Kirchenverfassung ab.  

Für den weiteren Verlauf des Abends übergab Synodalpräsident Guse die Moderation an Martina de Maizière. Dieser erläuterte das Prozedere der Vorstellung der Kandidaten. 

 

 


Einzelpräsentation der vier Kandidaten für das LKA-Präsidentenamt

Nachfolgend begann die mit Spannung erwartete öffentliche Vorstellung der vier Kandidaten für das Präsidentenamt des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes Sachsens. Alle Kandidaten erhalten dabei in alphabetischer Reihenfolge die Gelegenheit, sich den Synodalen persönlich vorzustellen und ihre Vorstellungen vom Präsidentenamt anhand eines Kurzreferates darzulegen. Die Fragestellung ist für alle Kandidaten einheitlich und lautet: „An das Landeskirchenamt wird der Wunsch herangetragen für größere Kirchgemeinden bzw. für Kirchgemeindeverbindungen einen Verwaltungsleiter zur Entlastung der Pfarrerschaft vorzusehen. Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Aufgabe des Präsidenten des Landeskirchenamtes?“
Nach jedem Referat gibt es für die Synodalen die Möglichkeit, Rückfragen an den Kandidaten bzw. die Kandidatin zu stellen.  Auf diese Weise präsentierten sich aufeinanderfolgend

  • Oberlandeskirchenrätin Dr. Jördis Bürger (Dresden)
  • Ministerialrat Stephan Gerstenberg (Radebeul)
  • Friedrich Nollau (Leipzig)
  • Oberlandeskirchenrat Hans-Peter Vollbach (Braunschweig). 

Podiumsgespräch mit allen vier Kandidaten

Im Anschluss an die Einzelvorstellung fand ein Podiumsgespräch mit allen vier Kandidaten statt, welches von Martina de Maizière moderiert wurde. Die Kandidaten beantworteten darin alle Fragen der Synodalen. So wurden sie u.a. nach ihrer Leitungserfahrung gefragt und nach Schnittmengen zwischen den bisherigen Tätigkeiten und dem Präsidentenamt. Thema war auch der Umgang mit Konflikten und schwierigen Mitarbeitenden. Weiter sollten die Kandidaten benennen, wie sie das Landeskirchenamt inhaltlich und organisatorisch weiterentwickeln würden und wie sie die notwendigen Sparmaßnahmen in Angriff nehmen würden.

Neben den Aufgaben eines Präsidenten nach außen wurden die Kandidaten auch nach Ideen für die Nachwuchsgewinnung gefragt. Weiter sollten sie darstellen, welche Perspektiven sie für den Verkündigungsdienst sehen und wo sie die Landeskirche in zehn Jahren sehen. Befragt wurden die vier Kandidaten ebenfalls nach ihrer Kenntnis der Situation von Kirchgemeinden im ländlichen Raum und mit unterschiedlichen Frömmigkeitsprägungen. Ebenfalls sollten sie kurz benennen, was sie an der sächsischen Landeskirche fasziniert und was sie innerhalb der Kirche für verzichtbar halten. Ideen konnten die Kandidaten entwickeln bei der Frage, welche konkreten Impulse sie setzen würden, um junge Menschen zur Mitarbeit in unserer Gemeinde zu begeistern und wie sie mithelfen würden eine missionarische Kirche zu gestalten. Schwieriger wurde es bei der Frage nach dem Umgang mit Kirchgemeinden, die sich aus unterschiedlichen Gründen einer Mitwirkung am Strukturreformprozess verweigern und welche Instrumente sie für solche Reformprozesse bevorzugen würden. 

Samstag, 26. Januar 2019

Beginn des Wahltages mit Andacht und Eröffnung der Wahlsitzung

Mit einer Andacht in der Dreikönigskirche begann am Samstag, den 26. Januar 2019 die Sitzung zur Wahl einer neuen Präsidentin / eines neuen Präsidenten des Landeskirchenamts. Der Synodale Reißmann ging auf die vier menschlichen Charaktere ein, die oft in Team- und Führungskräfteschulungen erläutert werden. Sie machten deutlich, dass Menschen unterschiedlich seien und Gott jeden und jede mit besonderen Gaben ausgestattet hätte, die auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden könnten. Zentral sei aber in allen Teams und auch in der Kirche die Erkenntnis, dass diese Unterschiedlichkeit die eigentliche Stärke einer Gemeinschaft ausmache. Er wünschte der Synode ein gutes Erkennen der für die Landeskirche notwendigen Gaben und Talente der vier zur Wahl stehenden Kandidaten und bat im Gebet um Kraft, Weisheit und Gottes Beistand für die Wahl. 

Nachdem Synodalpräsident Guse mitgeteilt hatte, dass der Wahlprüfungsausschuss keine Beanstandungen habe und alle Synodalen auch stimmberechtigt seien, eröffnete er die Wahlhandlungen. Zwischen den Wahlgängen lag aufgrund der rechtlichen Bestimmungen jeweils eine Pause von drei Stunden. 


Kundgebung von Kritikern der Strukturreform

Am Vormittag versammelten sich Kritiker der Strukturreform zu einer Kundgebung vor dem Haus der Kirche in Dresden. Sie forderten die Rücknahme der Strukturbeschlüsse und die Einsetzung eines Runden Tisches. Sowohl Synodalpräsident Guse als auch viele Synodale nutzten die dreistündige Pause zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang, um mit den Vertretern der Kirchgemeinden vor dem Haus der Kirche ins Gespräch zu kommen.  Otto Guse  machte im Gespräch mit den Synodalen deutlich, dass die Landessynode für die gesamte Landeskirche zu entscheiden habe, wo viele einzelne Interessen von Kirchgemeinden miteinander in Ausgleich gebracht werden müssten. 

Konkret wendeten sich die anwesenden Vertreter aus den Kirchgemeinden gegen die geplanten Kürzungen im Bereich der Kirchenmusik, prangerten die Überlastung ehrenamtlicher Mitarbeitender an und forderten die Rücknahme der gesetzlichen Möglichkeit zur Verordnung von Strukturen durch das Landeskirchenamt. 

Landesbischof Dr. Rentzing stellte sich am Rande des Wahlgeschehens auch den Teilnehmern der Kundgebung, die ihre Besorgnis über die anstehenden Veränderungen zum Ausdruck brachten und einen Runden Tisch anmahnten. Dr. Rentzing dankte zunächst für den Einsatz und das Engagement. Allerdings gebe es kein „Patentrezept“ für die anstehenden Aufgaben, denn so wie bisher, könne es nicht weitergehen. Er versicherte, dass es „hier keinen gibt, der Sie über den Tisch ziehen will“. Schließlich seien einige Anregungen bereits übernommen. Die Kritiker stimmten zu, dass es letztlich um die Verkündigung der frohen Botschaft gehe. Der Landesbischof betonte, von dieser Grundeinstellung solle man sich nicht abbringen und von anderen Dingen beirren lassen.

Er sprach seine Reiseeindrücke aus der indischen Partnerkirche an, deren frohe Verkündigung unter zum Teil erbärmlichen Bedingungen beispielhaft sei für den Umgang in der Diaspora. Davon seien wir weit entfernt, sagte er, und dafür könnten wir dankbar sein. Seit den 23 Jahren die er im Dienst der Kirche steht, würde über die Strukturen geredet. Zuletzt sei erneut eine „Runde gedreht“ und dann seien Entscheidungen mit überwältigender Zustimmung der Landessynode getroffen worden. Keiner möchte mehr bei null anfangen, berichtete er über seine Eindrücke in der Landeskirche. Die Vertreter der Kundgebung boten sich an, in den weiteren Prozessen „Basisexpertisen“ beisteuern zu können. Sie wollten damit erwünscht sein, sich nicht immer aufdrängen wollen. Im weiteren Gesprächsverlauf wurden konkrete Schwierigkeiten wie Pfarrvakanzen und die Motivation von ehrenamtlich Mitarbeitenden angesprochen.  


Wahl im 3. Wahlgang

Vor Beginn des dritten Wahlgangs informierte Otto Guse die Landessynode darüber, dass im dritten Wahlgang die absolute Mehrheit aller abgegebenen Stimmen ausschlaggebend sei. 

Insgesamt gaben 75 Synodale ihre Stimme ab.  Es gab  keine Enthaltungen und keine ungültigen Stimmen.  Im äußerst knappen Ergebnis des dritten Wahlgangs wurde der Braunschweiger Oberlandeskirchenrat Hans-Peter Vollbach mit 38 Stimmen zum neuen Präsidenten des Landeskirchenamtes gewählt. 

Er richtete das Wort an die Landessynode: Er dankte für das Vertrauen und sagte, dass ihm aufgrund der sehr knappen Entscheidung bewusst sei, welche Erwartungen an ihn gerichtet sind. Er hoffe, dass er auch diejenigen, die ihn heute nicht gewählt haben, für eine gute Zusammenarbeit und das gemeinsame Ringen in der Sache gewinnen könne. 


Gratulation an den frisch gewählten Präsidenten Hans-Peter Vollbach!

Hans-Peter Vollbach nimmt die Gratulationen von Synodalpräsident Otto Guse (li.), Landesbischof Dr. Carsten Rentzing (mi.) und dem Präsidenten des Landeskirchenamtes Dr. Johannes Kimme (re.) entgegen.

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