Gemeindeentwicklung

Kirche auf dem Land und in der Großstadt

Kirche im ländlichen Raum

Der überwiegende Teil der sächsischen Kirchgemeinden findet sich in Dörfern und Kleinstädten im ländlichen Raum. Kirchtürme zeugen von reichen Traditionen und tiefem Glauben, sind Symbol für Heimat und Ort lebendiger Gemeinschaft durch alle Generationen.

Gemeinden im ländlichen Raum erleben aber auch die Veränderungen unserer Zeit intensiv: die Abwanderung in die Städte, das Wenigerwerden, das Älterwerden … Dabei verlaufen Entwicklungen in den verschiedenen Regionen unserer Landeskirche sehr unterschiedlich. „DIE“ Kirche auf dem Land gibt es nicht. Kirche ist vielfältig und bunt und verschieden – so wie die Menschen in den ländlichen Regionen.

Im Zentrum ländlicher Raum und in der Fachgruppe „Kirche auf dem Land“ gibt es Unterstützung für dieses Arbeitsfeld.


»Heimat entsteht durch Mitgestaltung«

Bericht von der Landkirchenkonferenz 2018

In der Evangelischen Akademie Meißen trafen sich am 9. Juni 2018 Vertreter aus den Kirchenbezirken und Kirchengemeinden Sachsens zur ersten Landkirchenkonferenz. In Andachten, Workshops und Impulsvorträgen ging es um die vom Moderator Dr. Dirk Mütze zugespitzte Frage „wie die Kirche auf dem Land wieder vielen eine Heimat werden kann.“

Gleich zu Beginn der Konferenz wurde übereinstimmend berichtet, dass engagierte Gemeindemitglieder dafür sorgten, dass die Steine des Gebäudes „Kirche“ lebendig würden. Das Fundament, auf dem die Kirche steht, sei jedoch das Evangelium – betonten die Referenten. Und so sollte es nach den derzeitigen Fragen um strukturelle Veränderungen der Landeskirche bei der Konferenz in Meißen um inhaltliche Themen gehen. Dass die Entwicklung der Landkirchen längst nicht so düster ist, wie es Vielen es auf den ersten Blick erscheint, wurde im Laufe des Tages mehrfach deutlich.

Bürgermeister Matthias Schmiedel berichtete aus den Dörfern um Colditz und machte den Pfarrern auf dem Land Mut. „Solange die Kirche im Dorf steht, ist Gemeinschaft möglich“, sagte er und machte in seinen weiteren Ausführungen deutlich, dass das von ihm angesprochene Bild auch im übertragenen Sinne zu verstehen war: „Man muss sich öffnen für Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben“.

Das Konzept der Offenheit der Kirche fand auch in der Rede der Superintendentin Ulrike Weyer Zustimmung. „Wenn es Gemeindemitglieder gibt, die auch in anderen Vereinen aktiv sind, verbinden diese die Gemeinde mit Einrichtungen, die mit ihren Angeboten sonst als Konkurrenz zu einander stehen,“ sagte sie und ergänzte zur Entstehung des Gefühls einer „Heimat“, dass dieses auf  dem Leben von Beziehungen und dem gemeinsamen Leben von Traditionen aufbaue. Doch sie mahnte auch an: „Die Aufgabe unserer Generation ist es, eine Brücke zu bauen zwischen den Traditionen und der Zukunft. Das bedeutet: künftige Generationen müssen die örtlichen Traditionen mitgestalten können.“ Pfarrer Dr. Heiko Franke (Leiter des Pastoralkollegs Meißen) sprach den Anwesenden ebenfalls Mut zu für die Erneuerung von Gemeindearbeit. Veränderungen könnten einem den Boden unter den Füßen wegziehen, räumte er ein, doch er fuhr fort „unser Bürgerrecht ist im Himmel. Jenseits einer Dorfkirche, abseits eines Ortes. Das Recht, bei Jesus zu wohnen, haben wir schon jetzt.“

In den anschließenden Workshops tauschten sich die Teilnehmer über verschiedene Aspekte aus, wie Kirche auf dem Land gelingen kann. Dabei reichten die Anregungen vom Vermeiden der Überlastung von einigen wenigen Ehrenamtlichen bis hin zu alternativen Veranstaltungsorten wie beispielsweise einer alten Scheune als „Sommerkirche“ und offenem Veranstaltungsraum. In einer kleinen Gesprächsrunde regte Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer an, dass das Erfahrungswissen einer Dorfgemeinde als ein Schatz betrachtet werden solle, aus dem der Pfarrer schöpfen kann und nicht als etwas, was er an sich reißen sollte. Superintendentin Ulrike Weyer fügte hinzu „Die irdische Kirche ist eine Heimat auf Zeit, sodass Veränderungen schmerzlich sein können, aber zu verkraften sind.“

Unter dem Motto „Achtung Baustelle!“ tauschten sich am Nachmittag regionale Gruppen über den Zustand ihrer Gemeinden aus. Auf Basis eines Bilds von vier Säulen diskutierten die Vertreter der Gemeinden, welche Bereiche ihrer Arbeit gut funktionieren, an welchen Säulen der Gemeindearbeit es Risse gibt, welche Säulen nicht mehr tragen und in welchen Bereichen eine Säule auf dem soliden Fundament des Evangeliums neu aufgebaut werden kann. Hier zeigten sich im Positiven wie auch im Negativen große Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Regionen, wo alle unter dem Wegzug vieler junger Menschen leiden. In Zeiten, wo Ausbildung, Studium und Berufsleben Flexibilität bei der Wohnortwahl voraussetzen, kommt ein Verlust der Heimatbindung junger Menschen hinzu. In anderen Bereichen wie der Diakonie, der Arbeit mit Kindern und der Kirchenmusik hatten die Teilnehmer viel Positives zu berichten.

Die Landkirchenkonferenz entstand auf Initiative der Fachgruppe "Kirche auf dem Land" des Landeskirchenamtes unter der Leitung von Dr. Dirk Martin Mütze (Evangelisches Zentrum ländlicher Raum Kohren Sahlis). Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Mitwirkung von Erfahrungsträgern aus sächsischen Gemeinden, KMD Christian Kühne für die musikalische Begleitung und Michael Seimer.

Letzterer gab in seiner Rolle als Küster im Hausmeistergewand den Rausschmeißer aus der St. Afra-Kirche: „Ich muss hier jetzt die Kirche für den Gottesdienst vorbereiten!“. Dann fragte er jedoch neugierig, was die Teilnehmer mit nach Hause nehmen. Und das Arbeitsergebnis auf einer der Pinnwände „das Leben mit Glauben füllen und den Glauben mit Leben füllen“ brachte die Stimmung am Ende des Tages treffend auf den Punkt.

Ermutigend und ganz persönlich war die Schlussandacht von Landesbischof Dr. Carsten Rentzing, der berichtete, wie er Erstaunen auslöste, als es ihn vor zwanzig Jahren von der Großstadt Berlin hinaus aufs Land nach Sachsen zog. Tatsächlich ist das Ende der Landflucht in Sicht, womit sich für die Kirche auf dem Land ganz neue Chancen eröffnen. Und allen, die mit dem Zustand ihrer Kirche auf dem Land nicht zufrieden sind, gaben Rektor Dr. Franke und die Superintendentin Weyer mit auf den Weg: „Heimat entsteht durch Mitgestaltung.“


Fachgruppe „Kirche auf dem Land“

Die Fachgruppe besteht aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Arbeitsbereiche und Kirchenbezirke. Sie unterstützt das Landeskirchenamt in der Wahrnehmung von Entwicklungen im ländlichen Raum. 

Leitung: Dr. Dirk Martin Mütze

Kontakt:

Zentrum ländlicher Raum Kohren Sahlis
http://hvhs-kohren-sahlis.de/

Studienleiter Dr. Dirk Martin Mütze
Telefon: 034344/669701
E-Mail: dirk.muetze@hvhs-kohren-sahlis.de


oder über   Manja Erler

 

Materialien:

 

Weitere Links:  

Kontakt über


Manja Erler
Referentin für Gemeindeaufbau und missionarische Dienste

Ev.-Luth. Landeskirchenamt
Lukasstraße 6
01069 Dresden

Telefon: 0351 4692-244
E-Mail:

Kirche in der Großstadt

Großstädte in Sachsen wachsen. Leipzig, Dresden und Chemnitz sind Anziehungspunkte für viele Menschen. Dabei bildet sich die ganze Vielfalt an Lebensentwürfen, Milieus, Kulturen und auch Glaubensbiografien ab. Für das kirchliche Handeln und die Kommunikation des Evangeliums ist das Reichtum und eine Herausforderung zugleich. Spannende Handlungsfelder: Quartiermanagement und Citykirchen-Arbeit, Obdachlosenarbeit und politischer Diskurs, interreligiöser Dialog und kulturelle Konkurrenz.  Gott in der Großstadt zu Sprache und Wahrnehmung kommen zu lassen ist in jedem Fall eine Aufgabe.

 

 


Materialien

  • Konzeption zur "Kirche in der Großstadt" in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens von 2019 bis 2025
    PDF-Dokument

 

Weitere Informationen

Kontakt:

n.n.

Vertreter in der City- und Stadtkirchenarbeit der EKD ist für  Sachsen die Stiftung Frauenkirche Dresden

 

 


Publikationen

Damit Kirche im Dorf bleibt

Strukturelle Überlegungen für den ländlichen Raum

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